| Endless Space |
| Geschrieben von: Chris | |||||||||||
| Freitag, den 02. November 2012 um 18:00 Uhr | |||||||||||
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Horatio ist nicht nur ein einzelner Mann, er ist ein ganzes Volk von Klonen. Sie alle sind Horatio. Die erste Partie Endless Space, die ich auf normalem Schwierigkeitsgrad gewinnen konnte, habe ich mit Horatio gewonnen. Danach sah es zu Beginn nicht aus: Ich hatte sehr viel in Wissenschaft und Forschung investiert und deshalb als erste Fraktion die Möglichkeit, durch Wurmlöcher zu fliegen und einige Sonnensysteme im Zentrum der Galaxie zu besetzen. Wer das Zentrum hält, kann den Zugang zu den noch unbewohnten Spiralarmen kontrollieren. Zumindest sah mein Plan das vor. Als die anderen Fraktionen schließlich im Zentrum eintrafen und nicht weiter expandieren konnten, blieben sie allerdings nicht halb so friedlich, wie ich gehofft hatte, und schmiedeten Allianzen, um sich den Durchgang freizukämpfen... Endless Space ist 4x im Weltraum. Die Alphaversion erschien im Mai diesen Jahres auf Steam, mit dem Versprechen an die Spieler, Einfluss auf die Entwicklung zum fertigen Produkt nehmen zu können. Mich hat diese Games2Gether genannte Initiative damals allerdings weniger interessiert. Ich habe Endless Space ursprünglich nur gekauft, weil es verdammt gut aussieht. Wie verdammt gut es sich spielt und welchen Sog es entfaltet, konnte ich nicht ahnen. In den letzten Wochen habe ich mehrfach versucht, endlich mit dem hier vorliegenden Artikel zu beginnen, habe dann das Spiel gestartet, um ein oder zwei Dinge nachzuprüfen oder Screenshots zu machen, und plötzlich war es nachts halb drei und ich hatte nicht eine Zeile geschrieben. Wieder einmal.
Selbst wenn man immer mit der gleichen Fraktion antreten sollte (und wer macht das schon), spielt sich allein schon durch die zufallsgenerierte Sternenkarte und die zufällig ausgewählten Gegner jede Partie anders. Dazu trägt auch die KI bei, die jede gegnerische Fraktion entsprechend ihrer Charakteristika spielt. Es gibt Fraktionen, die diplomatischen Lösungen gegenüber sehr aufgeschlossen sind und die man sehr weit in die Ecke drängen müsste, damit sie von sich aus einen Krieg beginnen. Ebenso gibt es Fraktionen wie die Craver, bei denen es früher oder später immer auf Krieg hinausläuft. Darüber hinaus fällt an der KI vor allem ihre Stärke auf. Deutliche Patzer leistet sie sich nur unterhalb des normalen Schwierigkeitsgrades und sie erhält in den vier Schwierigkeitsgraden jenseits von "Normal" scheinbar deutliche Boni. Schon "Normal" wird vom Spiel umschrieben mit "Wenn die Briten so stark gewesen wären, wären die USA noch eine Kolonie". Für meine Verhältnisse ist das schon grenzwertig schwer.
Ein positiver Effekt dessen ist, dass die Anzahl interessanter Entscheidungen im Laufe einer Partie kaum abnimmt. In Civ in großen Imperien für jede einzelne Stadt festzulegen, was als nächstes gebaut werden soll, wird schnell nervig. In Endless Space hängt die Effizienz vieler Verbesserungen für die Sonnensysteme von der Art und Anzahl der Planeten des Systems und von der Bevölkerungszahl ab. Bei weitem nicht alles eignet sich für jedes System. Und gerade wenn man halbwegs alles unter Dach und Fach hat, wird in der zweiten Hälfte der Partie Terraforming eingeführt, das alles nochmal über den Haufen wirft. Terraforming erforscht man nicht auf einen Schlag, sondern man erlernt eine Reihe von Technologien, die jeweils die Umwandlung von bestimmten in bestimmte andere Planetentypen erlauben. In wirklich großen Sternenreichen wird das trotzdem irgendwann mühselig, aber zum Glück kann man einzelne Systeme auch nach bestimmten Vorgaben von der KI verwalten lassen. Wenn man das Spiel noch nicht so gut kennt, empfiehlt es sich sogar, genauer hinzuschauen, welche Verbesserungen die KI in welcher Reihenfolge baut, und zu überlegen, warum diese Reihenfolge wohl günstig sein könnte.
Es ist nicht so, dass ich hier grundsätzlich ein actionreicheres Spielsystem bevorzugt hätte, denn die aktuelle Lösung fügt sich vom Spielgefühl her durchaus gut in das Gesamtpaket ein. Aber lediglich drei leidlich spannende Entscheidungen in ganzen sechzig Sekunden? Man kann übrigens auch alle drei Karten direkt zu Beginn des Gefechts auswählen und sich danach zurücklehnen und zuschauen. In größeren Partien entwickelt sich das Kampfsystem so irgendwann zum unnötigen Zeitfresser, zumal man sich jeweils vor dem Gefecht entscheiden kann, ob es wie beschrieben manuell ablaufen soll oder automatisch. Dann ist der Spuk in drei Sekunden vorbei, man hat aber auch keine Möglichkeiten mehr, selbst einzugreifen. Ich hätte es bevorzugt, auch in der automatischen Variante flugs meine drei Taktikkarten aussuchen zu können und fertig.
Kommentare (8)
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04.11.2012 |
Ben:
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| Dieses merkwürdige Alpha/Preordersystem durch das ich nur bedingt durchgestiegen bin hatte mich den Titel fast schon wieder vergessen lassen. Aber Horatio… das ist eine echt coole Idee, hach, Science Fiction. |
05.11.2012 |
Wolfsterror:
| Das klingt höchst interessant. habe endless Space schon lange auf dem Schirm, aber jemanden gesucht der darüber ausführlich berichten kann. Kannst du Vergleiche zu "Sins of a Solar Empire" ziehen? Wenn ja, INPUT pls :-) |
07.11.2012 |
Wolfsterror:
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Schade, hätte ja klappen können :-) Es ging mir hier auch eher den Vergleich in der Ebene des Obstes. Viele Dinge die du geschrieben hast, haben mich ein wenig an Sins erinnert. Habe mir Endless Space aber aufgrund dieses Reviews gekauft und bin begeistert. Danke dafür :-) |
03.12.2012 |
UncleHo:
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Hab mich auch breitschlagen lassen es mal damit zu versuchen.. obwohl ich gar nicht so der Strategie - Mensch bin. Eine Sog-Wirkung ist dem Titel nicht abzusprechen. Ich finde ihn auch recht anspruchsvoll, aus den Gründen, die im Artikel ja auch schon erwähnt werden. Wen man sich "verskilled" von dem Forschungsbaum her, kann man mit etwas Pech getrost einpacken. Überhaupt kann man genug Fehler bauen, die man später bitter bereut. Es nützt nix, so viele Planeten wie möglich zu kolonialisieren, wenn diese nur unbequen zu bewohnen sind und die Leute dann darauf meutern.. bis man das aber versteht, hat man schon das zweite bis dritte Spiel angefangen. Von der Präsentation her sehe ich den Titel aber gemischt.. generell ist die Optik recht schön, aber viel wird ja auch nicht gezeigt, ein paar Standgrafiken, Schiffe und Planeten, letztere ganz nett aber natürlich ist man da "dank" Triple-A Titeln aus anderen Bereichen ganz anderes gewohnt. Die Schlachten fand ich optisch eher so "na ja".. da geht doch heute wesentlich mehr, dazu kommt - wie ja bereits angesprochen - dass eigentlich darin nicht viel passiert. Dafür ist was anderes sehr positiv zu erwähnen.. die Musik. Schöne sphärische Klänge, die sich zwar wiederholen, aber - wie ich finde - sehr gut zum dargebotenen passen. Fazit für mich: Süchtig machender Titel mit noch etwas Luft nach oben, als Vollpreis-Titel wäre er für mich zu teuer gewesen, aber das Steam-Angebot für deutlich unter 20 Euro war sehr okay. |
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