| "Wo bleibt Elektra?" |
| Geschrieben von: Chris | |||||||||||||||||||||
| Montag, den 18. Juli 2011 um 07:00 Uhr | |||||||||||||||||||||
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2002: Als meine kleine Heldentruppe Stonebridge verließ, einen Ort, der sich vor allem dadurch auszeichnete, dass es weit und breit keine steinerne Brücke gab, bestand sie bereits aus sechs Mitgliedern. Beziehungsweise aus fünf Mitgliedern und einem Esel, der die Beute wegtragen musste. Ein reinrassiges Point-and-Click-Actionrollenspiel wie Diablo war Dungeon Siege nie, sondern vielmehr eine Verknüpfung von dessen Spielprinzip mit dem taktischen Management von Heldengruppen, wie man es aus Spielen wie Baldur's Gate kannte. Dabei war Dungeon Siege automatisiert bis zur Schmerzgrenze: Klickte man auf einen Gegner, verarbeiteten die Helden nicht nur diesen einen Feind zu Kleinholz, sondern auch alles, was zufällig noch in der Nähe herumstand. Keine Spur von der sonst im Genre üblichen Sehnenscheidenfolter. Man wies den Helden die richtigen Waffen, Zauber und Ziele zu, drückte im Notfall auf H wie Heiltrank, bevor jemand tot umfiel, und pausierte das Spiel, wenn doch mal alles zu hektisch wurde. 2011: Als meine kleine Heldengruppe Stonebridge verlässt, besteht sie nur aus zwei Helden. Die Geschichte von Dungeon Siege III dreht sich zwar eigentlich um derer vier, aber scheinbar werden zwei der Legionäre immer dringend anderswo gebraucht, vielleicht zur Regulierung der Alkoholbestände im örtlichen Gasthaus, weshalb die Zehnte Legion auch in den prekärsten Situationen nie in voller Stärke antritt. Einen der Helden steuere ich das gesamte Spiel hindurch direkt, meinen Begleiter übernimmt die KI. Dafür, dass es nicht einmal die Möglichkeit gibt, dem Begleiter Befehle zu geben, funktioniert das erstaunlich gut. Während Gas Powered Games, die Entwickler der Vorgänger, "KI" studiointern wohl mit "Keine Intelligenz" übersetzten, hat Obsidian Entertainment KI-Unterstützung erschaffen, die zuverlässig ihren Job erledigt, nie im Weg herumsteht und meistens sogar eine echte Hilfe ist. Das Problem ist weniger, dass Dungeon Siege III ein schlechtes Spiel wäre, denn das ist es ganz und gar nicht, sondern dass der Name Dungeon Siege gänzlich andere Erwartungen an ein Spiel weckt, als die, die Teil 3 zu erfüllen gedenkt.
Das macht absolut Laune und wäre noch viel besser, wenn man denn öfter zum Kämpfen käme. In der ersten Spielhälfte wird der Flow aber zu häufig abgewürgt. Entweder stehen mal wieder Gespräche mit hilfsbedürftigen Bauern an oder es wollen nach einem Levelup Punkte auf Fähigkeiten und Talente verteilt werden. Ein weiterer Bruch mit dem originalen Dungeon Siege, bei dem der Spielfluss aus Kämpfen und Looten nur selten unterbrochen wurde. Im Original wurden die Charaktere automatisch besser in dem, was sie taten, ohne dass der Spieler jemals hätte eingreifen müssen. Im dritten Teil müssen bei einem Levelup neue Fähigkeiten erlernt werden, es muss entschieden werden, welche Fähigkeiten man durch Fertigkeiten verbessert und danach wartet die schwierige Entscheidung, mit welchen Talenten man, nun ja, alles außer Fähigkeiten verbessert. Das ist mindestens drei Nummern zu umständlich und bietet gegenüber der automatischen Variante kaum einen Vorteil, weil ich natürlich die Talente und Fertigkeiten auswähle, die das verbessern, was ich sowieso andauernd benutze.
Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal über ein Actionrollenspiel sage, aber die Krönung von Dungeon Siege III ist die Story. Hier ist das Spiel seinen Urahnen meilenweit überlegen. Ein Planescape: Torment oder Mask of the Betrayer sollte man natürlich nicht erwarten, aber man merkt schon, dass DS3 aus dem gleichen Stall kommt. Ohne Drift ins Metaphysische geht es natürlich auch hier nicht, aber was mich maßlos begeistert, ist, dass Obsidian scheinbar schlicht keine Spiele kann, in denen der Antagonist einfach nur böse ist. Auch Jayne in DS3 hat letzten Endes nachvollziehbare Motive. Herrgott, das ganze Spiel hat ein Motiv: Rache. Wie weit kann, wie weit darf sie gehen? Was stellt sie mit den Menschen an? Jayne Kassynder ist die Elektra der Actionrollenspiele. Nur dass die Elektra Strauss' und Hofmannsthals keinen strahlenden Helden hatte, der sie gerade noch rechtzeitig ... aber ich möchte nicht zu viel verraten. Obsidians Talent für wirklich bemerkenswerte Orte kommt in DS3 vor allem in Stonebridge zum Tragen. Einer Stadt, deren Bürger vor Jahrzehnten die Legion nicht nur vertrieben, sondern die in der Stadt verbliebenen Legionäre gnadenlos töteten, obwohl diese, da zum Schutz eben dieser Bürger verpflichtet, sich nicht einmal wehrten. Die Stimmung, die einem entgegenschlägt, wenn man nun als Legionär nach Stonebridge zurückkehrt, ist gewaltig. Misstrauisch, vorsichtig, voller Angst begegnen einem die Leute, und zwar nicht wegen der Taten, die man selbst als Legionär begangen haben mag, sondern wegen der Verbrechen, die die Bürger Stonebridges an der Legion verübt haben, und wegen ihrer Angst, dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Wegen einer Angst, für die man, so wird einem mitgeteilt, doch bitte Verständnis haben möge.
Kommentare (16)
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18.07.2011 |
NerdFlyer:
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Bisher hab ich ja DSIII nur mit einem Achselzucken links liegen lassen. Ich glaube ich ändere das mal nach diesem Bericht und hol es mir |
18.07.2011 |
Tim Rozenski:
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Dann verlagern wir die Diskussion von Twitter mal hierher: Ich bin noch nicht besonders weit im Spiel, aber bisher ödet es mich ziemlich an. Es sieht gut aus, aber das Kampfsystem finde ich zum Kotzen. Andauernd krepiere ich, weil eine Gruppe von Banditen mich "gangrapet" und gerade weil es keine Tränke gibt, die ich für eine SEHR sinnvolle Spielemechanik halte. Das mit dem Blocken und Ausweichen ist in der Theorie gut, in der Praxis aber vermurkst, da meine Figur dann ständig mit dem Rücken zu den Gegnern steht, bis ich sie umgedreht habe, habe ich schon wieder Treffer kassiert... Und ich möchte in einem Kampf nicht ständig wie ein Bodenturner rumrollen müssen. Die Items... naja... was eine "entschlossene Unterhose" sein soll, bleibt wohl ein Geheimnis der Übersetzer... Und dass mir angezeigt wird, dass eine Rüstung meine Stats verbessert, ich sie dann aber, ohne dass dies erklärt würde, doch nicht anlegen kann, finde ich ebenfalls grenzwertig. Die Story ist bislang ziemlich belanglos, wobei ich da gerne zugebe, dass ich noch gar nicht weit genug bin, damit sich diese voll entfalten könnte. Aber wirklich beim Ball hält sie mich, im Gegensatz zu Dragon Age 1 und 2, wo ich von Anfang an gefesselt war, nicht. Ich weiß auch gar nicht, was das Dragon-Age-2-Gebashe soll. DA2 hat mit Sicherheit seine Schwächen (die erwähnten Dungeons), aber ich persönlich fand es trotzdem gelungen und in vielen Teilen auch besser als den Vorgänger. Auch mir ist unklar, wen das Spiel ansprechen soll. Ich selbst scheine es jedenfalls nicht zu sein. |
18.07.2011 |
Pascal:
| Das alles klingt tatsächlich, als könnte es mir gefallen. Dabei hatte ich es doch schon unter irrelevant zu den Akten gelegt! |
19.07.2011 |
Tim Rozenski:
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Nein, ich spiele mit dem Gamepad auf der Xbox. Und mir ist das schon recht häufig passiert. Ich finde DA2 weiterhin toll. ;-) |
19.07.2011 |
Tim Rozenski:
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Ich spiele Katarina. Und nein, ich habe den NPC noch nicht dabei. Bin jetzt gerade in der Sturmliedhöhle und werde im Bosskampf nach ca. 20 Sekunden zerfetzt, 30 wenn ich ein bisschen Glück habe. Und meine Frusttoleranz bei sowas ist relativ gering, weshalb ich's beiseite gelegt habe und jetzt erstmal Chrono Trigger zocke. Vlt. versuche ich's mal noch mit einer anderen Figur, aber wie gesagt, bisher hinterlässt das Spiel bei mir nur einen gerade mal mittelmäßigen Eindruck. Story (hab's mir selbst gespoilert und nachgeschaut): Meh, Gameplay: Meh, Charaktere: Meh. Und wenn ich dann hier lese und von Freunden höre, dass man's nach 12-15 Stunden durch hat, muss ich ein Lachen unterdrücken - da sind ja sogar 8-Bit-RPGs länger und ich erwarte von einem guten RPG einfach eine gewisse Länge. |
29.07.2011 |
Bastian:
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Dungeon Siege 1 habe ich geliebt. Dungeon Siege 2 habe ich nach anspielen der Demo nichtmal mehr mit dem Arsch angeschaut. Nun ist also Teil 3 da und die Demo fand ich ok, scheint potential zu haben. Da einem DS3 in UK mittlerweile für unter 20€ nachgeschmissen wird, steht es nun also in meinem Regal und wartet auf seine Chance. Diese bekommt es kommende Woche, dann werde ich zusammen mit meiner Freundin im lokalen Koop starten. Ich bin nach deiner Schilderung der actionreichen Kämpfe etwas skeptisch, ob es ein Spiel für sie ist. Man wird sehen. Ich jedenfalls freue mich drauf. |
02.10.2011 |
Jingleball:
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Ich habe es nun auch nachgeholt und gestern Abend beendet mit meiner Archon. Schwierig, schwierig... Gerade in der ersten Spielhälfte musste ich extrem mit mir kämpfen, das Spiel nicht wieder beiseite zu legen. Zum Einen wollte die Geschichte mich so gar nicht packen und zum Anderen fand ich es erschreckend, wie ich weder mit großem Blick auf Talente und Items ziemlich easy da durchmaschierte. Das Problem war einfach, dass mir die Skills & Items einfach total egal waren, ich habe nur 2 Stück regelmäßig benutzt, war vollkommen ausreichend. "Feuerbla irgendwas, mit 10% Heilungsbla" hat mich null interessiert, weils mich auch nicht interessieren musste, ich brauchte das nicht zu wissen, komme ja trotzdem weiter. Ich lass mich gerne korrigieren, aber gab es wirklich keine Karte? Ich habe alle Nebenquests aus meinem Log gemacht, aber scheinbar muss ich irgendeinen NPC mit Quest übersehen haben, sehr ärgerlich. In der zweiten Spielhälfte dann war mir zwar immernoch alles egal, was Skillungen, Items etc. angeht, aber immerhin haben mir die wenigen Kämpfe irgendwann dann doch Spaß gemacht, auch wenns fast außschließlich beim A u. B drücken blieb. Ab und an mal ausweichen, war Dragon-Age-mäßig okay. Die Story nahm dann auch an Fahrt auf und zum Finale hin fand ich sie sogar durchaus packend. Das hat mir dann auch btw. mal wieder bewiesen, dass es sich hin und wieder doch lohnt, Spiele trotz Fehlstarts durchzuspielen. Zumindest kann man es ja mal versuchen. Manchmal kriegen sie eben doch noch die Kurve, nicht immer klar, aber eine Chance sollte man ihnen schon geben. Also DS3 ist für mich definitv kein Dragon-Age-2-Killer, auch wenn ich DA2 auch über einige Strecken enttäuschend fand. Bioware hat es imho immer noch mehr drauf, interressante Charakter zu erschaffen und auch bei der Inszenierung der Gespräche und den geschichtlichen Höhepunkten haben sie die Nase immernoch vorne finde ich. Dass das bei DA2 aber schon grenzwertig war, keine Frage. DS3 ist in der Hinsicht von Beginn an extrem zäh, ich habe da bis zum Ende hin keinen Charakter getroffen, der mich wirklich weggekickt hat, die waren mir alle dermaßen egal, auwei. Die einzige, die wirklich etwas Profil an den Tag legte war Jeyne selbst, aber die trifft man ja erst am Ende so wirklich. Es ist seltsam, aber DS3 und DA2 sind für mich irgendwie so Hack'n Slay-Light und RPG-light, beim einen machen die Kämpfe etwas mehr Laune aber die Inszenierung taugt nichts, beim anderen sind die Kämpfe dröge, aber die Inszenierung etwas besser. Ich hatte mit beiden Spielen dennoch meinen Spaß, wenn auch mit Abstrichen. Ob ich DA lieber in den Händen von Obsidian sehen möchte? Nein, ich will eigentlich nur, dass BioWare sich wieder auf ihre früheren Stärken besinnen soll. DS3 hat schon Laune gemacht für ein paar Tage, aber ich denke, ich werde es auch schnell wieder vergessen. Und das ist schon bißchen schade. |
02.10.2011 |
Jingleball:
Chris, hast du es geschafft alle Sidequests zu machen? Ich war gestern ganz traurig am Ende, dass ich den Erfolg nicht bekommen habe. Ich weiß nicht, wo ich eine Quest hätte übersehen können, das Logbuch war leer, aber ich muss irgendwo einen NPC nicht gesehen haben, der evtl. noch ein Quest für mich hatte. Ich habe grad keine Lust nochmal nachzuschauen, aber gabs denn eine Übersichtskarte, außer der Minimap, die man hätte nutzen können? |
02.10.2011 |
Jingleball:
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Ja, das Rivalen-Achievement habe ich geschafft, dass bin ich nach dem Finale nochmal angegangen, zusammen mit dem "das kann ich sogar blind"-Erfolg. Nach ein paar Versuchen hatte ich den Dreh bei ihr gut raus. Insgesamt auch ein guter Bosskampf, da die Gute schon auch manchmal gut tricksen kann.^^ Irgendwann in der Mitte des Spiels habe ich mal auf Hardcore gestellt, aber das war doch zu knackig so ganz allein. Mask of the Betrayer kenne ich leider nicht, gibt es das nur für PC? Wenn ja, dann muss ich leider drauf verzichten, glaube das schafft meine Kiste nicht mehr und auf dem Mac spiele ich grundsätzlich nicht. |
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