| Rock Band 3 - Das Letzte seiner Art? |
| Geschrieben von: polyneux | |||||||||||||||
| Mittwoch, den 23. Februar 2011 um 09:12 Uhr | |||||||||||||||
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Mein Wohnzimmer sah für einige so Tage aus, als hätte sich eine Gruppe Kindermusiker darin breit gemacht, um ihre nächste Platte aufzunehmen. Ein Studio für die Mini-Playback-Show, voller Plastikinstrumente mit bunten Tasten. Eine Gitarre lehnte an der Wand, eine zweite lag auf dem Sofa, das Schlagzeug stand zwischen Couchtisch und Fernseher, auf jenem Tisch lag das neue Keyboard und zwischen alldem schlängelte sich ein Kabel umher, welches in einem Mikrofon auf dem Sessel endete.
Anyway. Über Rock Band 3 gibt es von meiner Seite eigentlich nichts Spannendes zu berichten, was Daniel nicht schon geschrieben hat. Dementsprechend gibt es hier von mir nur schlicht und ergreifend ein „Was Daniel sagt!“. Und zu DJ Hero kann ich leider rein gar nichts sagen, weil ich es nie gespielt habe, obwohl ich die Idee eigentlich ganz nett fand, um dem Genre mal ein wenig frischen Wind in die Segel zu blasen. Allerdings erschien mir der Controller und die Spielmechanik als langjähriger DJ dann doch etwas zu absurd und noch weiter von jedweder Realität entfernt, als es schon bei den Plastikgitarren der Fall war. Von daher erspare ich euch alle unnötigen Redundanzen und gehe lieber der Frage nach, ob das Genre der Plastikinstrumentenspiele nach nur 6 Jahren wirklich schon komplett am Ende ist. Immerhin verkünden seit Activisions offizieller Pressemitteilung unzählige Schreiberlinge übereifrig den Tod des gesamten Genres und (er)finden auch allerlei mehr oder weniger abwegige Begründungen dafür. Tatsächlich waren die Umsätze entsprechender Titel im Jahre 2010 vergleichsweise schwach. Aber ist ein einziges mieses Jahr wirklich so aussagekräftig, dass man gleich ein ganzes Genre beerdigen muss? Ich habe mal die Verkaufszahlen der wichtigsten Spiele herausgesucht und nach ihren Erscheinungsjahren geordnet:
Wenn ich mir diese Übersicht so anschaue, fällt sofort auf, dass 2010 wirklich ein bemerkenswerter Einbruch stattfand, wobei ein großer Teil der aufgelisteten Spiele jedoch erst gegen Ende des Jahres erschien und somit das effektive Verkaufsfenster bis heute auch recht klein war. Allerdings sieht man auch sehr deutlich, dass die Plastikgitarrenwelt 2009 eigentlich noch in Ordnung war. Nur verteilten sich die Verkäufe auf sehr viele, ähnlich gelagerte Spiele. Meine aus der Hüfte geschossene Spontandiagnose: Wenn ihr das begrenzte Zielpublikum im Jahr zuvor mit einer Vielzahl von sehr ähnlichen Spielen zuschmeißt, liebe Activision-Schlipsträger, müsst ihr euch doch nicht wundern, wenn sich die einzelnen Titel nicht mehr so gut verkaufen. Besonders dann, wenn man noch bedenkt, dass es sich hier nicht um 08/15-Spiele handelt, sondern um Titel, die mit den gebundelten Instrumenten deutlichere Löcher ins Budget der Käufer reißen. Und obwohl die meisten älteren Instrumente grundsätzlich auch mit den jüngeren Ausgaben kompatibel sind, habt ihr keine Gelegenheit ausgelassen, „noch coolere“ und „bessere“ Instrumente auf den Markt zu werfen, damit auch Serien-Veteranen immer wieder neue Instrumente kaufen, obwohl die alten gar nicht kaputt waren. Hinzu kommt noch, dass bei Guitar Hero seit Einführung der zusätzlichen Instrumente mit GH World Tour im Jahre 2008 eigentlich nichts spannendes mehr passiert ist. Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn man einen begrenzten Markt so sehr überfüttert und wie eine Zitrone auszupressen versucht, kann doch gar nichts anderes passieren, als dass irgendwann das dicke Ende kommt. Aber anscheinend hat da wohl jemand in seinen BWL-Vorlesungen nicht richtig aufgepasst und zieht lieber die Notbremse, anstatt zu überlegen, wie man dem Genre eventuell noch neue Impulse geben kann. Nur um die DJ Hero-Spiele tut es mir schon ein wenig leid, denn im Grunde war die Serie das einzige verbliebene Kreativ-Juwel, das Activision unter seinen Musikspielen überhaupt noch vorzuweisen hatte. Als Kollateralopfer einer völlig verfehlten Veröffentlichungspolitik ist es mehr oder weniger unverschuldet unter die Räder gekommen … Aber was soll’s?! Wenn der einzige ernsthafte Konkurrent von der Bildfläche verschwindet, ist das natürlich super für die verbliebene Rock Band-Reihe. Gut, man muss jetzt einmal abwarten, wie es bei Harmonix weitergeht, denn auch hier gibt es Unsicherheiten: MTV Games wurde just dicht gemacht und auch der Entwickler selbst hat kürzlich bekannt gegeben, dass einige Mitarbeiter aus wirtschaftlichen Gründen freigesetzt werden sollen. Aber wenn man noch mal auf meine kleine Übersicht schaut, kann man leicht sehen, dass die RB-Serie nicht den Überfütterungsfehler der Konkurrenz begangen hat (auch wenn sie sicherlich unter der GH-Schwämme zu leiden hatte) und zudem recht stabile Verkäufe über alle Teile hinweg vorweisen kann (nicht vergessen: RB3 erschien ja gerade erst im Oktober 2010). Außerdem sollte man die hier überhaupt nicht erfassten Umsätze des RBN im Hinterkopf haben. Ich bin mir relativ sicher, dass über das Rock Band Network nicht unerhebliche Zusatzgewinne erzielt werden. Meiner Meinung nach ziehen alle Autoren, die derzeit über den Untergang des gesamten Genres lamentieren, ebenso kurzsichtige Schlüsse, wie die Sesselpupser in der Chefetage von Activision. Insbesondere ein Aspekt wird meistens gar nicht bedacht: Der Entwicklungsaufwand für diese Art von Spiel hält sich im Vergleich zu anderen Produktionen deutlich in Grenzen. Zusätzliche Lizenzgebühren für die Songs hin oder her, ich behaupte einfach mal, dass selbst ein GH 5 mit knapp 4 Millionen verkauften Einheiten sicherlich keine roten Zahlen geschrieben hätte, wenn man nicht exorbitante Summen für die Werbung rausgeschmissen hätte. Oder hat sich tatsächlich einer von euch Guitar Hero wegen Heidi Klum zugelegt? Nein? Das dachte ich mir. Ich persönlich bin eigentlich ganz guter Dinge, was die Zukunft des Genres angeht und gehe davon aus, dass die RB-Reihe auch über das Jahr 2010 hinaus existieren wird. Durch das Ende des Guitar Hero-Franchises besteht sogar eine reelle Chance, dass RB jetzt erst so richtig aufblühen wird. Wir werden sehen … Daniel spielte ein von EA zur Verfügung gestelltes Muster. Den Berg an Plastikinstrumenten finanziert er mit Blockflötespielen in der Fußgängerzone. SpielerZwei hat den ganzen Kram selbst gekauft. Kommentare (6)
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23.02.2011 |
mnemo:
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An der Zitronengeschichte ist auf jeden Fall etwas dran. Ich glaube auch, dass GH besser weiter gelaufen wäre, hätten sie weiter Titel veröffentlicht, die jeweils ein "Best Of Rock" waren, wie GH2 und GH3. Aber mit GH: World Tour verwässerte die Musikauswahl zum Pop hin ("Beat It"? Hallo?) und das kam wahrscheinlich auch nicht gut an. Aerosmith und Van Halen hatte ich mir "billig" gekauft, die haben halbwegs Spaß gemacht, aber sind einfach zu unabwechslungsreich. Genau wie The Beatles Rock Band, aber das reißt es durch die Präsentation raus. Persönlich hätte ich wirklich gerne weitere Spiele wie GH3 mit anderen Songs und Kulissen gehabt. Das Prinzip war optimal so - mal vom Freispielen der Songs abgesehen. Innovationen brauchte es nicht. Rock Band finde ich generell nicht so gut wie Guitar Hero: Die Menüs sind zu langsam und vor allem die Notendarstellung auf dem Highway ist mies, die runden Tabs von GH sind weit besser zu erkennen und dort auch der Unterschied zwischen normalen und HOPO-Noten. Letzteres ist für die auf Easy spielenden N00bs aber wohl egal. ;-) Casey Lynch forever! m/ |
23.02.2011 |
3ba:
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Guitar Hero World Tour ist nicht so schlecht wie sein Ruf. Es gab genügend "harte" Stücke. Ich finde man kann das nicht an den Ausreissern wie Beat it, oder La Bamba festmachen. Ich muss sogar sagen im gesamten gefällt mir die Musikauswahl besser wie beim 3. Teil. Zu Rockband kann ich gar nichts sagen... |
23.02.2011 |
Missingno.:
| Konnte/Kann man eigentlich beim GH-Franchise seine alten Lieder auch (mehr oder weniger kompliziert) in die neuen Teile verfrachten? Das ist nämlich eine sehr tolle Geschichte bei Rock Band, dass sich die Lied-Datenbank immer weiter vergrößert hat, auch wenn man das selbe Spiel in Green( Day) gekauft hat. |
24.02.2011 |
jello:
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Ich hab's ja schon mal bei Christian drüben gesagt. Activision wollten einfach zu schnell zu viel... und jetzt ziehen sie gleich komplett die Reißleine statt zu sagen "okay, es kommt erst mal nur noch jährlich ein Spiel", was IMHO noch ein vernünftiger Veröffentlichungsturnus ist [siehe Rockband]. Aber so ist das halt, wenn man echt nur auf's Geld guckt [-en muss; der Aktionäre wegen]. *schulternzuck'* Zu den Spielen selbst kann ich fast gar nichts sagen, da mich das Genre null interessiert, und ich es mal für 'ne halbe Stunde oder so bei 'nem Kumpel auf der Wii gespielt habe. Einfach nicht meine Tasse Tee... |
24.02.2011 |
mnemo:
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@Missingno.: Ne, Import von Spiel zu Spiel geht nicht, aber DLC ist teilweise (!) kompatibel. Ist mir allerdings egal, weil ich nix dazu kaufe. @alle: Es heißt Rock Band. Zwei Wörter. |
25.02.2011 |
SpielerZwei:
| Schade, dass so wenig Kommentare von GH- bzw. DJ Hero-Spielern kommen. Da meine Sichtweise ja etwas bitter ist (bin halt RB-Fan), würden mich Meinungen zur Einstellung der Serien von deren Fans wirklich interessieren... |
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