| Anti-Jahresrückblick (Too Many Games-Edition) |
| Geschrieben von: Daniel | |||||||||||||||||||||||||||||||
| Donnerstag, den 27. Januar 2011 um 10:10 Uhr | |||||||||||||||||||||||||||||||
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Ray Muzyka, Mitbegründer von BioWare, sagte letztens in einem Interview, dass ihn eine Tatsache in der Spieleindustrie besonders störe: es gäbe einfach zu viele Videospiele. Er würde jeden Abend ein paar Stunden spielen und käme trotzdem nicht hinterher. Nun bin ich kein Entwickler und muss nicht meine Konkurrenz beobachten und deren Werke analysieren, aber auch ich kleiner Hobbyspieler stehe vor einem Berg an Neuveröffentlichungen, alten Titeln und sich schon anbahnenden zukünftigen Highlights. Jeden Tag wird die Liste an potentiellen Zeitfressern größer. Wenn ich mich durch meine verpassten Spiele aus 2010 klicke, dann sind dort viele Kandidaten aus der zweiten Reihe vertreten, die ich für einige Pfünde aus dem Vereinigten Königreich importieren würde, um zu sehen, was es damit auf sich hat. Der Entdeckungswunsch überwiegt hierbei meine Vernunft. Ich habe all die Lost Planet 2s, Fable 3s und Just Cause 2s nicht zum Release gekauft, weil sie mich nicht genug ansprachen, um einen Vollpreiskauf zu rechtfertigen. Auf der anderen Seite könnte ich mir vorstellen, dass sie mir für 20€ ein paar spaßige Stunden bringen könnten. Aber ist dieses Kriterium das richtige? Für ein bisschen Geld ein bisschen Spaß?
Danke an Lomp für die Header-Grafik und Mexer für die Zwischenillustration. Kommentare (20)
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27.01.2011 |
Fabian:
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Gelernt: Auch Bioware-Chefs schlagen sich mit einem Pile of Shame rum. Das ist für die kaufsüchtigen Zocker ja fast schon beruhigend. Ich stimme dir bei der Zweischneidigkeit des Schwertes "Auswahl" zu: Was man im Prinzip perfekt dazu nutzen, das ganze Jahr optimal hinsichtlich f(Geschmack, Konsolenbesitz, Geldbeutel) unterhalten zu werden, kann schnell überfordern. Bei etwas labileren Konsumenten sorgt es eigentlich nur für die Angst, gerade jetzt etwas zu verpassen, was zu besagten Piles of Shame führt. Die man eh nie komplett abarbeiten wird, man hat einfach Geld für eine leidlich beeindruckende Regaldeko verbrannt. (Schamlose Eigenwerbung: Der Artikel von Kristin zu dem Thema und die daraus resultierte interessante Diskussion) Mittelmäßige Spiele haben dort aber erst recht keine Chance. Im Prinzip ist es die verkehrte Welt zu dem Raubkopiererargument "Nur weil etwas kopiert wird, wird es noch lange nicht gespielt." - Falsch, andersrum: "Nur weil etwas gekauft wird, wird es noch lange nicht gespielt.". Und damit gibt es sozusagen einen Markt für Mittelmäßigkeit (aufgeteilt zwischen unkritischeren "Casuals" und kritischen "Profizockern", die aber trotzdem alles haben wollen). Fazit: Ich denke schon, dass jeder schon weiß, was er mit seiner Zeit anzufangen hat und halte die große Auswahl für etwas gutes - dass es nicht nur Blockbuster-Shooter, sondern eben auch mal originelles Zeug gibt, kommt ja nicht daher, dass die Auswahl klein ist. Und letztlich ist es ja auch immer Geschmackssache - wer definiert ein mittelmäßiges Spiel? Du? Ich? Metacritic? Gerade von erfahrenen Zockern muss man doch erwarten können, dass sie medienkompetent genug sind, soll heißen: Spiele lieber on demand kaufen (Schnäppchen gibt es IMMER irgendwo!), persönliche Vorlieben pflegen und den Tellerrand sinn- und liebevoll erweitern. Und von dem gesparten Geld die Freundin zum Essen einladen oder eine Party schmeißen. |
27.01.2011 |
SenorKaffee:
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Gewagte These: Wir haben nicht zuviele Spiele - wir haben zuviel Geld. Auf absurde Weise wiederholt sich die Misere, die mich in meiner Jugend verfolgte. Alles zusammenkopiert, was nicht nach extrem kurzer Zeit fesselte oder aus sozialem Druck gespielt werden musste, landete in der Tonne. Dann angefangen, Spiele zu kaufen. 80-100 DM wollten erstmal organisiert sein und selbst wenn man dann erstmal ein Spiel hatte, was einen nicht sofort ansprach, hat man es trotzdem gezockt und so manche Perle entdeckt, die einem sonst zu sperrig gewesen wäre. Jetzt verdiene ich gut genug, habe alle drei Heimkonsolen und ein Handheld, und könnte eigentlich alles kaufen, was ich haben will. Da ist es nicht so schlimm, mal ein neues Spiel nach zwei-drei Stunden wegzulegen (sorry, Enslaved) oder noch komplett eingepackt rumliegen zu haben (sorry, Alan Wake). Es wird gezockt, was einen irgendwie sofort fasziniert oder über das man einen Artikel schreiben muss, weil man ja unbedingt ein Presseexamplar haben wollte. Nunja, das ist mir jetzt beim Lesen des Artikels eingefallen, vielleicht noch etwas unausgegeoren. Aber zumindest ein Ansatz. |
27.01.2011 |
Fabian:
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@Daniel: Ich habe ehrlich gesagt nicht das Gefühl, dass es mangelnde Innovation bei Spielen gibt. Das dauernd zitierte Horrorszenario, dass wir nur noch Call of Duty Teil 18 kaufen müssen/können, gibt es in der Form einfach nicht. Natürlich kristallisieren sich Genrespezifika heraus, aber ich behaupte mal großspurig, man müsste pro Jahr nur den besten Shooter, DAS Third-Person-Action-Adventure, DEN interaktiven Film, DAS RTS... spielen und wäre super ausgelastet. Was ja eigentlich deine These stützt, aber ich denke, viel Auswahl hilft hier als dass sie schadet. Es geht ja nicht nur um die Spieltechnik, sondern auch um das Szenario: Weltkrieg finde ich blöd, eklige Aliens schnetzeln macht Spaß. Wenn es nur Weltkrieg gäbe, wär das halt nicht so cool. Und SenorKaffee mag vom dem DINK-Standpunkt oder dem eines gutverdienenden Singles recht haben. Bei anderen aber sitzt Zeit und Geld sicher nicht so locker, so dass Auf der anderen Seite könnte ich mir vorstellen, dass sie mir für 20€ ein paar spaßige Stunden bringen könnten. Aber ist dieses Kriterium das richtige? Für ein bisschen Geld ein bisschen Spaß? doch eigentlich nach einem ganz guten Deal klingt. |
27.01.2011 |
SenorKaffee:
| Hmm, dazu fällt mir noch ein, dass ich einen nennenswerten Pile of Shame eigentlich erst habe, seit ich wieder etwas aktiver über Spiele schreibe. Keine Ahnung, was das schon wieder zu bedeuten hat. |
27.01.2011 |
epospecht:
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"Spielt weniger, aber dann nur den für euch heißen Stoff." Brr... du forderst hier dazu auf sein Geld auf wenige Blockbuster zu verteilen damit diese noch höhere Umsätze erwirtschaften? Reicht die > 1 Milliarde Dollar eines "Call of Duty" nicht? Wegen der Zentralisierung auf wenige, stark gehypte Titel werden unzählige vielversprechende Prototypen nicht realisiert und jeder Publisher stürzt sich auf sein Plagiat einer erfolgreichen Serie. Activision hat "Call of Duty". Drum braucht EA ein "Medal of Honor" (und einen zusätzliches Spiel von Infinity Ward) und Thq ein Homefront. Meiner Ansicht nach ist Diversifikation das beste Mittel im Innovation zu generieren. Und eine geringe Rentabilität ermöglicht, Ressourcen in vielen Genres weit zu streuen. |
27.01.2011 |
Anonym:
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@epospecht: Wenn du den von dir zitierten Satz nochmal genau liest, fällt dir vielleicht auf, dass es nicht unbedingt um Blockbuster geht... Spielt ansonsten eigentlich keiner von euch auch alte Spiele ab und zu mal wieder? Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon... Brauche ich überhaupt noch neue? |
27.01.2011 |
epospecht:
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Aber in der Realität reden wir hier von Blockbustern. Das sind die Spiele die vorrangig in allen Medien kommuniziert werde (ja, auch in Blogs) Die Spiele die in gigantische Marketingkampagnen promotet werden. Die Spiele die auf dem Schulhof "getauscht" werden und die man gespielt haben muss um mitreden zu können. Nicht von ungefähr kommen Daniels Top-Games 2010 von den finanzstärksten Publishern der Branche und gehören zu den teuersten Produktionen des Jahres. |
27.01.2011 |
Manu:
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Is' halt auch subjektiv, was heißer Stoff ist, wa? Das von Dir angesprochene Bioshock 2 zum Beispiel oder Castlevania: Lords of Shadow war definitiv heißer Shaice für mich dieses Jahr und alles andere als Mittelmaß. Ansonsten sehe ich das wie Herr Anonym über mir: Innovation kommt erst zustande, wenn sich Entwickler aus der Masse hervorheben müssen. Wenn es nur einen Shooter und nur ein RTS pro Jahr gäbe, dann würde man dort auch Innovationen lange suchen müssen. Daher freue ich mich über ein Überangebot an Spielen. Schwierig für die Publisher und Programmierer, gut für uns. An das Gefühl, etwas zu verpassen, daran gewöhnt man sich so langsam, das habe ich zu Beginn des Internets auch gedacht und als ich meinen ersten Fernseher mit 32 Kanälen Privatfernsehen hatte auch. Und zum Pile of Shame: Ich merke inzwischen, dass ich bei Schnäppchen extrem abgestumpft bin, seit ich gemerkt habe, dass es gar keine Schnäppchen sind. Schnäppchen heißt ja eigentlich: Nur für kurze Zeit günstig. Aber im Falle der Konsolenspiele ist es ja eher so, dass die NUR billiger werden. Klar gibt es mal Preissprünge, aber für Spiele, die ein Jahr oder älter sind, werde ich IMMER dank Internet einen guten Preis finden, daher bleibt mein Pile of Shame auch relativ stabil auf einer Größe, seit ich mich davon nicht mehr so arg "stressen" lasse. |
28.01.2011 |
Kristin:
| Schöner Artikel. Der bestätigt mich nach meinem Pile of Shame-Artikel noch mal zusätzlich darin, dass ich das letzte Jahr irgendwie was falsch gemacht habe. Dieses Jahr werde ich aber eh nicht mehr so viel Zeit haben und schon alleine deswegen nur noch das spielen, was ich spielen will. Du sagst, das sei der richtige Weg. Aber was mache ich denn, wenn mir viel zu viele Sachen wirklich gut gefallen? Eine Demo gibt's ja auch nicht immer und überall. |
28.01.2011 |
Missingno.:
Aber was mache ich denn, wenn mir viel zu viele Sachen wirklich gut gefallen? Wählerischer werden. Ich muss aber sagen, dass ich eigentlich keine Spiel habe, dass ich nicht zumindest einmal angespielt habe. Zu (m)einem PoS könnte ich also höchstens Titel zählen, die mich einfach nicht gepackt haben oder sonst irgendwie dazu bewegt haben, sie in die Ecke zu stellen. Aber das würde mit eurer Definition ja auch wieder kollidieren, weil man ja nur Spiele spielen soll/muss, die man wirklich spielen will. |
28.01.2011 |
Fabian:
Richtig. Für etwas, das du gedanklich abgehakt hast, musst du dich nicht mehr shamen. Niemand zwingt dich, Spiele durchzuspielen, das ist ein ganz nerviger Irrglaube, der einen nur noch mehr unter Druck setzt, ja nichts zu verpassen. Übrig bleibt dann nur eine hübsche Regaldeko oder frisches Einsatzkapital für einen Tausch im Gamestop - je nach Geschmack, Geldbeutel und Rationalität. |
28.01.2011 |
Jingleball:
Also ich für meinen Teil finde es ja schön Spiele durchzuspielen, da ich sie gerne als Gesamtkunstwerk betrachte und da ist das Ende einfach sehr wichtig. Es geht da nicht wirklich ums 'verpassen', sondern vielmehr ums 'intensive' spielen. Das ist ja auch das, was Daniel teilweise meint. Wenn man mit einem Spiel nicht warm wird und es beiseite legt ist dass das eine, aber ein Spiel gut finden aber es dann liegen zu lassen, weil man sonst 'die Masse' nicht bewältigt bekommt, verstehe ich dann nicht wirklich. Zeit mit einem Spiel zu verbringen kostet nunmal Zeit und wenn es wirklich der heiße Shice ist, dann lässt man sich auch nicht davon ablenken. Wenn doch, dann ist er einfach nicht heiß genug. Es ist natürlich jedem selbst überlassen, keine Frage, aber ich unterhalte mich lieber (ernsthafter) mit Leuten über das Spiel, die es auch als Ganzes betrachten können. Ein gutes Spiel hat es auch verdient, durchgespielt zu werden. Spielt ansonsten eigentlich keiner von euch auch alte Spiele ab und zu mal wieder? Ich für meinen Teil schon, momentan hätte ich mal wieder Lust auf RDR, bin aber gerade mit anderem heißen Shice beschäftigt. |
28.01.2011 |
Chris:
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Alte Spiele, Jingleball! Da nennt man traditionell Planescape: Torment oder Baldur's Gate, aber doch kein Spiel von 2010! *facepalm* |
28.01.2011 |
Jingleball:
Achso narf, ja ähh, Entschuldigung Papa! Hab letztens ein paar Runden North & South gespielt, denke das ist alt genug. |
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