| Rennen, Schießen, Fluchen |
| Geschrieben von: Daniel | |||||||||||
| Sonntag, den 12. September 2010 um 17:25 Uhr | |||||||||||
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13:00h - Mein Dealer hatte den Stoff im Briefkasten deponiert. Im Briefkasten der Nachbarn. Wenn die Bullen das Zeug gefunden hätten, dann wäre der Verdacht nicht auf mich gefallen. Mit so einem abgefuckten Scheiß sollte man sich auch echt nicht erwischen lassen. Aber egal jetzt. Das schon etwas abgegriffene Päckchen hing also halb aus dem Einwurfschlitz und ich konnte es problemlos herausziehen. 13:10h - Ich saß auf meinem stinkenden Sofa und kaute auf vier gut belegten Brötchenhälften herum. Vor mir auf dem Couchtisch lag allerlei Müll und Unrat, den ich erstmal zur Seite schieben musste, um den vergilbten Xbox 360 Controller freizulegen. Die DVD des Spiels rotierte in der Konsole. Mein Fernseher stand auf zwei Backsteinen, die ich hinterm Haus gefunden hatte und war noch so ein geiles Röhrengerät. Flackernd erwachte er zum Leben und die ersten Bilder machten schon mal klar, wo die Reise hingehen sollte. Nach fucking crazytown. Da saßen zwei nackte Typen auf billigen Plastikstühlen und schrieen sich ihre scheiß Lunge aus dem Hals, während sie aus zweitausend Schnittwunden bluteten. Ich konnte immer nur kurze Momente erhaschen, weil das Bild ständig wieder schwarz wurde und dann wieder ein Schrei und Blut und dann wieder schwarz und noch mehr Blut und schwarz und ein Schlitzauge, dass mit ‘nem Messer noch mehr heftige Schnittwunden aufriss. Dann Stille. Ich saß also da mit meinen halb gegessenen Brötchen und dann sprang die Handlung einige Tage zurück.
13:50h - Das Spiel sprang schneller in die nächste Szene als sich ein geübter Fixer einen Schuss setzen kann. Wir saßen in einem Auto und ein älterer Herr erklärte uns den kommenden Deal. Er fragte: “So, how you like Shanghai, Kane?” Kane antwortete: “It’s fucked. I hate it.” Ich lachte.
14:55h - Im Appartementgebäude starb ich erstmals häufiger. Von allen Seiten wurden wir beschossen. Von nackten Typen mit Mülltüten über dem Kopf und Kalaschnikows in den Händen. Wir erreichten die Wohnung. Sahen Lynchs Freundin durchs Fenster im nächsten Gebäude. Wir gaben ihr Feuerschutz. Dann sprengten die Typen neben uns eine Wand. Einer der wenigen überraschenden geskripteten Momente. Wir stürzten über die Dächer, aber die Gangster waren schneller.
Ich war aus meiner Traumwelt erwacht und saß wieder in meinem normalen Wohnzimmer voller Ikeamöbel. Irgendwas zwischen vier und fünf Stunden hatte ich in einem einmaligen Shanghai verbracht. Die Welt von Kane & Lynch 2: Dog Days ist das Highlight des Spiels. Der dreckige überstilisierte Look und die Mittendrin-Kamera machen Chinas fast 19 Millionen Einwohner starke Stadt zu einem Ort, den man noch nie in einem Videospiel gesehen hat. Leider hat IO-Interactive aber vergessen, die interessanten Orte auch mit spannenden Inhalten zu füllen. Warum durften wir mit den beiden Raubeinen nicht erst mal ein paar ruhige Missionen erledigen? Kontaktmänner treffen, vielleicht einen ersten kleinen Banküberfall durchführen und erst danach in die Stakkatoballerei des restlichen Games verfallen. Die Möglichkeiten dafür wären sicher da gewesen und die Charaktere hätten auch genug Stoff für etwas mehr Erzählung und weniger Hetzerei gehabt. So bleibt nur der Arcade-Mode mit einigen kurzen Heist-Missionen, die leicht an die coolen Momente des ersten Teils erinnern. Es ist eine Schande, mit welcher Gnadenlosigkeit die Entwickler all ihr Pulver in einem nicht enden wollenden Rauschen verschießen. Hätten sie all die jetzige Action aufgeteilt und mit ruhigen atmosphärischem Gangsterscheiß gefüllt, dann wäre das Spiel doppelt so lang und dreimal so gut geworden. Schaut man sich das Spiel aber in seinem jetzigen Zustand an, dann bleibt nur eine lange und selbst auf die kurze Spieldauer gesehen eintönige Schießbude übrig. Es ist eine optisch verdammt einmalige Schießbude, die ich gerne durchwandert habe, aber sie allein reicht nicht, um das Spiel uneingeschränkt empfehlen zu können. Wer an der Demo Spaß hat, der sollte sich Kane & Lynch 2: Dog Days allerdings unbedingt anschauen. Vielleicht nicht zum Vollpreis, aber allemal wenn es auf den Grabbeltischen der Videospielhändler landet. Kommentare (4)
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12.09.2010 |
Kith:
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*tränenausdenaugenwisch* danke für diese Review, hab herzlich gelacht beim Lesen. Sollte mir das Game nun doch einfach mal anschauen, wenn es schon hier rumliegt |
12.09.2010 |
HomiSite:
| Ich dand die Demo ziemlich schlecht, merkwürdiges Waffen- und Trefferverhalten. Alles zu Klump schießen macht natürlich trotzdem Spaß. Ist aber wohl eher ein Koop-Spiel, da hatten ein Kumpel und ich mit dem Vorläufter viel Spaß (bis unsere Videothekenkopie die letzten Level nicht laden wollte). |
13.09.2010 |
Manu:
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Sollte man definitiv im Co-Op spielen, nicht nur, weil die KI nicht sonderlich schlau ist (siehe oben). Von der Optik war ich wirklich komplett geflasht, mir hat der Style sehr gefallen, ich mochte das experimentelle rangehen an die Sache. Aber nichts für Menschen, die leicht seekrank werden. Beim Rennen ist die Kamera wirklich eine Zumutung für den eigenen Gleichgewichtssinn. (Weicheier können den aber im Menü abstellen.) - Aber das dreckige Shanghai ist wirklich genial, die erste Hälfte macht wirklich Spaß. Nach der zweiten Gefangennahme und dem Helikopter-Trip wird es leider etwas monoton und auch von der Story zu abstrus. Bis dahin fand ich es ja ganz ok und eine gelungene Wohltat, mal keine strahlenden Helden oder Halbkriminelle mit gutem Herzen zu spielen sondern wirklich skrupellose Fuckheads. Ich muss auch BalkanToni recht geben, dass hier die deutsche Zensur mit der Ladehemmung bei Zivilisten leider etwas von dieser Skrupellosigkeit und Rauhheit wegnimmt. Das Spiel ist inzwischen SEHR günstig geworden, wie Daniel richtig sagt, es einmal durchspielen lohnt sich. Die Multiplayermodi sahen interessant aus, aber mich killt die Überauswahl an Multiplayer-Modi, die Jungs von IO hätten sich den lieber sparen sollen und dafür mehr Zeit in die Story und einen guten Endfight legen sollen. |
13.09.2010 |
Nippi:
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Weiß noch im 1. Teil gab es so eine fiese Stelle bei der ich bestimmt 20 mal draufgegangen bin (bei dieser Baustelle mit dem LKW). Ich habe schon damals über das verschenkte Potential den Kopf geschüttelt. Trotzdem werde ich wohl auch Teil 2 zum Budgetpreis eine Chance geben. Vor allem im Coop bestimmt einige Stunden ganz unterhaltsam. |
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17:00h - Es galt nun nur noch zu flüchten und lebend aus China herauszukommen. Vielleicht mit einem Zug.

