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“Der PC ist als Spieleplattform tot!” – Einen Euro für jedes Mal, dass irgendein Spack Konsolen-Fanboy Experte diese Weisheit verbreitet hat, und ich könnte meinen Job bei Polyneux an den Nagel hängen (nur mal angenommen, ich bekäme auch nur einen Cent für den Kram hier...). Derzeit ist es ja etwas ruhiger, was dieses Thema angeht, da wir uns gerade in keinem akuten (Spiele-)Sommerloch befinden. Eine wunderbare Gelegenheit also, die garantiert bald wieder aufkommende Diskussion einfach mal prophylaktisch zu konterkarieren. Und anstatt die immergleichen Argumente und Gegenargumente wiederzukäuen, die wahrscheinlich jeder von Euch Junkies inzwischen auswendig kennt, möchte ich einmal an zwei konkreten Beispielen verdeutlichen, warum ich, so ich denn die Wahl habe, immer noch der PC-Version eines Spiels den Vorzug gebe, obwohl ich haufenweise Konsolen zuhause habe.

Resident Evil 5
Die Firma Capcom kann auf eine lange Reihe mittelprächtiger bis grottenschlechter PC-Portierungen ihrer Titel zurückschauen. Gerade die PC-Version des direkten Vorgängers Resident Evil 4 stellt ein Paradebeispiel für eine völlig verkorkste PC-Konvertierung eines großartigen Konsolenspiels dar: Grafik, Steuerung und Performance wurden auf dem PC derart vermurkst, dass man fast annehmen musste, dass irgendeine perfide Absicht dahinter stecken müsse, denn selbst ein kleines Team aus unerfahrenen Informatikstudenten hätte eigentlich mehr aus dem tollen Ausgangsmaterial machen müssen.
Umso bemerkenswerter ist nun die Tatsache, dass die PC-Version von Resident Evil 5 ganz großes Action-Kino geworden ist, das seine Konsolenbrüder noch einen Tick überflügelt. Es handelt sich, abgesehen von ein paar zusätzlichen Extras (neue Kostüme und ähnlicher Firlefanz) und dem „No Mercy“-Modus (Shooting-Galery-Galore), natürlich um exakt das gleiche Spiel, welches ein halbes Jahr zuvor auf PS360 erschienen ist. Dennoch kann die PC-Version in Punkto Grafik noch mal eine gehörige Schippe drauflegen, ohne jedoch die Hardwareansprüche in Fantasiegefilde zu schrauben. Gerade die sehr gute Performance der Engine und die erstaunlich geringen Ladezeiten lassen RE5 sogar auf durchschnittlichen Spiele-PCs besser aussehen als auf dem vermeintlichen Wunder-Hardware-Sandwichmaker PS3. Hinzu kommt noch die rundum gelungene Integration der Maus-Tastatur-Steuerung, welche eigentlich keinen Anlass gibt, auf den ebenfalls unterstützten 360-Controller auszuweichen.
Nach all den Verbrechen, die Capcom uns PC-Spielern in der Vergangenheit hat angedeihen lassen, kann man nur hoffen, dass die PC-Fassung von RE5 nicht nur einen positiven Ausrutscher, sondern eine Trendwende darstellt. Immerhin gab es da doch kürzlich diese Pressemitteilung, in der Capcom gelobte, dem PC mehr Aufmerksamkeit zu widmen...
Neben der technischen Seite des Spiels, die wirklich über jeden Zweifel erhaben ist, bietet Resident Evil 5 aber vor allem eines: Rasante 3rd-Person-Horror-Shooter-Action par excellence! Viele Zeitgenossen mäkeln ja herum, dass Resi 5 zu wenig Survival-Horror und zu viel Action-Game sei. Verglichen mit den frühen Teilen mag das auch stimmen, aber im Grunde ist RE5 die direkte Konsequenz seines Vorgängers, der die Serie, meiner Meinung nach sehr zu ihrem Vorteil, neu ausgerichtet hat. Wer Resident Evil 4 toll fand, der wird auch mit dem 5. Teil seine helle Freude haben; insbesondere auf dem PC, da die sehr gefällige Maussteuerung die oft kritisierte Mechanik der Kämpfe (man kann halt immer noch nicht gleichzeitig Laufen und Schießen) stark abfedert. Solo macht KI-Kollegin Shiva ihre Arbeit recht ordentlich, weshalb ich auch dahingehende Kritik nicht ganz nachvollziehen kann. Da ich die 360-Version nur kurz bei SpielerEins antesten durfte und wir uns ausschließlich kooperativ durch die Infizierten metzelten, kann ich nicht sagen, ob es in Sachen KI gravierende Unterschiede zwischen den Versionen gibt. Die filmreife Präsentation des Spiels enthält ab und an ein paar QTEs, die ja von jedermann gehasst werden, aber hier nie wirklich stören, weil man immer sofort an der Stelle weiter machen kann, an welcher man sich eventuell verdrückt hat. Nervtötende Wiederholungen von längeren Abschnitten entfallen dadurch komplett.
Ich bin auf jeden Fall voll und ganz von RE5 begeistert! Das Spiel hat mich ebenso vom Hocker gehauen wie seinerzeit der 4. Teil (auf dem GameCube), wobei es noch deutlich abwechslungsreicher und rasanter inszeniert ist als sein Vorgänger. Und der im Vorfeld oft diskutierte Rassismusvorwurf ist in meinen Augen schlicht nicht existent. RE5 spielt in Afrika und hat daher überwiegend farbige Infizierte als Gegner zu bieten. Na und? Teil 4 spielte in Spanien und hat damals auch niemanden auf den Gedanken gebracht, es sei hispanophob. Wer derartig abwegig argumentiert, hat eindeutig eine Überdosis Political Correctness gefrühstückt und sollte sich besser mit der Rettung der echten Welt beschäftigen, anstatt in Videospielen nach nichtvorhandenen politischen Botschaften zu suchen.
Anyway. Wer von Euch Junkies also einen spieletauglichen PC besitzt und bisher noch nicht in den Genuss der Konsolenversionen von Resident Evil 5 gekommen ist, sollte unbedingt darüber nachdenken, ob er sich diese Action-Perle für den PC wirklich entgehen lassen will...

Batman: Arkham Asylum
Batmans Klapsmühlenabenteuer hat ja viele Leute tief in die Superlativkiste greifen lassen. Das beste Batman-Spiel? – Keine Frage, aber auch keine Kunst, denn alle bisherigen Videospiele mit der Fledermaus waren ziemlicher Müll. Das beste Superhelden-Spiel? – Kann man auch abnicken. Mir fällt spontan zumindest kein besseres ein. Bestes Videospiel aller Zeiten? – Okay Leute, an dieser Stelle habt Ihr mich dann doch verloren. Batman:AA ist ohne Frage ein ganz tolles Action-Adventure, aber soooo super, wie manche Leute es bejubelt haben, ist es in meinen Augen dann doch nicht. Mir war z.B. das Kampfsystem, welches vielerorts als die genialste Erfindung seit der Entdeckung des Knäckebrots gefeiert wurde, dann doch viel zu simpel. Es ermöglicht aufgrund seiner Einfachheit auch Anfängern, visuell spektakuläre Kämpfe zu erleben, aber im Grunde läuft es doch darauf hinaus, dass jedem Depp durch stumpfes Buttonmashing vom Spiel eine Gamepad-Virtuosität vorgegaukelt wird, die schlicht nicht vorhanden ist und Freunde von echten Brawlern nur mit den Augen rollen lässt. Bei mir führte das Kampfsystem vor allem dazu, dass ich (zumindest die ersten paar Stunden und auf normalem Schwierigkeitsgrad) das Gefühl hatte, auf Autopilot durch das Arkham Asylum zu fliegen. Die Kämpfe haben schon fast etwas von QTEs. Natürlich wird es im späteren Verlauf (oder wenn man sofort einen höheren Schwierigkeitsgrad wählt) besser und die immer zahlreicher werdenden Bat-Gadgets tun ihr Übriges, um diesen Ersteindruck immer weiter abzuschwächen, aber dennoch sind Batman:AA und ich zu Beginn nicht so wirklich miteinander warm geworden.
Auch der Schleichanteil der Spielmechanik war mir etwas zu hoch. Im Vergleich zu anderen Schleichspielen, wie z.B. die von mir abgrundtief gehassten Thief- und Splinter Cell-Serien, sind die entsprechenden Abschnitte nicht besonders schwer, aber gerade deshalb um so nerviger. Sie nehmen in erster Linie nur unnötig das Tempo aus dem Spiel, da man immer erst die Wachrouten von Jokers Schergen abwarten muss, auch wenn das eigentliche Vorgehen wirklich kein Abitur, geschweige denn eine Geheimdienstausbildung voraussetzt.
Der Hauptgrund dafür, dass mich das Spiel unterm Strich nicht so sehr begeistert hat wie beispielsweise RE5, ist aber ein anderer: Story und Atmosphäre des Spiels haben mich irgendwie nicht so recht überzeugt. Ja, es ist schön düster und wird dem Dark Knight auch sonst in nahezu allen Belangen gerecht, aber mir schien der Fokus der Handlung irgendwie zu banal. Auf der einen Seite ist das Setting ja geradezu genial, weil man durch den Kniff mit dem Arkham Asylum und Jokers perfidem Plan die Möglichkeit hat, nicht nur einige, sondern einen ganzen Haufen von Batmans Erzfeinden in ein einziges Spiel zu integrieren und dabei das gesamte Geschehen auf einem überschaubaren und abgeschlossenen Areal stattfinden zu lassen. Auf der anderen Seite wurde dieser Bogen für mich dann aber zu oft überspannt. Ich meine: Eine Zweigstelle der Batcave, die praktischerweise noch direkt unter der Anstalt liegt? Ich bitte Euch! Und durch die schiere Anzahl der Schurken in nur einem Spiel verkommen leider zu viele von Batmans Erz-Antagonisten unweigerlich zu Pausenclowns, die deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.
Aber egal. Trotzdem ist Batman: Arkham Asylum natürlich immer noch eines der besten Action-Spiele des Jahres! Nur mit „Bestes Videospiel aller Zeiten“ habe ich echt meine Probleme...
Ansonsten stellt sich bei der PC-Version des Spiels aber das gleiche Bild dar wie bei Resident Evil 5: Schönere Grafik, höhere Auflösung, vielseitigere Steuerung (Maus/Tastatur oder Gamepad) und eine Preisersparnis von ca. 10-20 Euro gegenüber den Konsolenvarianten. Und im Gegensatz zu RE5 musste man nicht einmal ein halbes Jahr auf die PC-Version warten, sondern konnte schon knapp 4 Wochen nach den PS360-Spielern loslegen.
Echte Exklusivtitel gibt es in der aktuellen Konsolengeneration kaum. Wenn überhaupt, dann handelt es sich oft um zeitlich beschränkte Exklusivität. Da die Entwicklungskosten von Videospielen, zumindest im AAA-Bereich, in den letzten Jahren explodiert sind, lohnt es sich für die Entwickler kaum, sich längerfristig auf nur eine Plattform festzulegen. Also sind die meisten Exklusivdeals nur von kurzer Dauer, um dann einige Wochen oder Monate später doch alle anderen Systeme zu bedienen. Und da auch Konsolenspiele auf PCs programmiert werden, ist der Aufwand für eine „zusätzliche“ PC-Version am geringsten. Lediglich die Qualitätskontrolle ist hier naturgemäß aufwendiger, da es sich beim PC ja hard- und softwaremäßig um ein offenes System handelt. Lizenzgebühren, die man auf den Konsolen Microsoft, Sony und Nintendo in den Rachen werfen muss, entfallen weitestgehend. Folglich ist es trotz der höheren Raubkopiequote und den vergleichsweise geringeren Absatzzahlen in den meisten Fällen dennoch lukrativ, eine PC-Version von Konsolentiteln herauszubringen.
So man sich mit der Portierung noch ein wenig Mühe gibt und sie nicht einfach von den Praktikanten im Keller zusammengeschlunzt wird, erhält der Käufer das gleiche Spiel mit besserer Grafik und, abhängig vom Genre, eventuell sogar besserer Steuerung für weniger Geld. Einziger Nachteil: Man muss aus vertraglichen Gründen manchmal ein Weilchen auf die PC-Version warten.
Dass diese Option natürlich nur für Leute besteht, die neben einer oder mehren Konsolen auch noch einen spieletauglichen PC zuhause haben, versteht sich von selbst. Das sind aber gar nicht mal so wenige. Und trotzdem entscheiden sich viele dieser Spieler für die Konsolenversion...
Entschuldigt, dass ich Euch mal direkt anspreche, aber: Warum zum Teufel macht Ihr das? Ist es wirklich dieser Release-Day-Kaufzwang? Oder das lahme Argument mit dem Sofa? Dann kauft Euch doch mal einen vernünftigen, bequemen Bürosessel! Oder macht es gleich wie ich und stellt Euch ein gemütliches Sofa ins Arbeitszimmer; ich zocke nämlich auch PC-Spiele von der Couch aus, sofern sie mit einem Gamepad spielbar sind.
Bei Multiplattformtiteln sind die Vorteile einer ordentlichen PC-Version wirklich nicht von der Hand zu weisen. Natürlich werden Euch jetzt auch ganz viele Vorzüge der Konsolen gegenüber dem PC einfallen, aber die könnt Ihr gerne für Euch behalten, da ich, wie mehrfach erwähnt, ebenfalls Konsolenspieler bin.
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