| Das Wort Gottes |
| Geschrieben von: polyneux | |||||||||||||||||||||||||
| Montag, den 05. Oktober 2009 um 19:00 Uhr | |||||||||||||||||||||||||
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Ich bin ein Manchmalabspannsitzenbleiber und Teilweisecreditsleser. Deutlich informativer als eine Wand vorbeiziehender Namen sind aber die Kommentarspuren auf DVD oder Blu-Ray. Natürlich gibt es auch hier Unterschiede: Das eine Mal erfährt man mehr über die Motivation der Figuren, das andere Mal wird über den Einfluss des Catering-Service auf die Leistung der Beleuchter schwadroniert. Ab und an werden sogar kreative Differenzen der Beteiligten angesprochen. Uninspirierte Making-Ofs zeigen meist nur eitel Sonnenschein, um an einem Samstagnachmittag im Fernsehen die Werbetrommel zum Start des Titels zu rühren. Irgendeine Form der Selbstreflektion ist bei Filmen heute aber üblich, selbst wenn sie zur Selbstpromotion entartet. Videospiele haben meist weder Kommentar noch erlauben sie einen anders gearteten Blick hinter die Kulissen. Ähnlich einem Film ist ein Spiel das Produkt eines Ensembles. Es sollte doch auch bei Spielen genügend Produzenten, Designer, Musiker und Leveltüftler geben, die den Spieler auf besondere Details hinweisen oder einfach ihren Stolz auf geleistete Arbeit zum Ausdruck bringen möchten. Nachdem ich die Sprechblasen in Valves Half-Life- Mikro-Episode Half Life 2: Lost Coast gesehen hatte, ging ich eigentlich davon aus, etwas Vergleichbares kurz darauf in allen Spielen zu sehen. Bis jetzt eher Fehlanzeige. Fehlt es den anderen Herstellern an Selbstbewusstsein oder fällt dieses Feature stets dem Zeitdruck bei der Produktion zum Opfer? Gibt es neben Valve noch andere Hersteller, die etwas Vergleichbares in ihren Titeln integriert haben? Welches der Spiele der letzten 24 Monate hat ein Making-Of auf einer zweiten DVD beigelegt oder als freischaltbaren Bonus integriert? Mir fallen jetzt nur Heavenly Sword und Uncharted ein, Gran Turismo 5 Prologue diskutiert eher über Autos, Metal Gear Solid 4 versprach integrierte Podcasts, die aber erst nach einem Jahr eintrudelten. Vielleicht enthalten die opulent ausgestatteten Sammler-Ausgaben das Gesuchte, nur kaufe ich die eher selten. Besteht daran überhaupt ein Interesse bei der Masse an Durchspiel-Fertig-Nächstes-Kundschaft oder ist das nur etwas für die verschwindend geringe Zahl an Freaks?
Ich glaube das Problem mit den Making Ofs ist, dass sie mittlerweile vorrangig als Promotionkanal bzw. für Gametrailers.com produziert werden und entsprechend als Beilage zum Spiel schon "veraltet" sind, weil man vorher alles schonmal im Internet gesehen hat. Außerdem erfährt man meist praktisch nichts über die Leute hinter den Spielen oder die wirkliche Arbeit an den Games, das Material ist schnell geschnitten und oberflächlich gehalten und daher so uninformativ, dass man nach drei Making-Ofs eigentlich alles gesehen hat und gerne auf weitere Beigaben dieser Art verzichtet. Was man bei der Valve-Nummer aber auch nicht vergessen sollte: Die Sprechblasen waren Teil eines Demo-Levels, dessen einzige Aufgabe es war, den "Technologie-Sprung" hin zu HDR so anschaulich wie irgend möglich anzupreisen. Die reine Spielzeit betrug nichtmal 15 Minuten und der Level war auf ein überaus überschaubares Areal ausgelegt. Entsprechend "einfach" dürfte die Integration gewesen sein und entsprechend tief ist man auf Designerseite ins Detail gegangen. Das Ganze war am Ende des Tages auch nichts anderes als eine reine Verkaufsveranstaltung. Allerdings könnte man diese verdammten Audiolog-Bücher, die seit Bioshock wieder so schwer in Mode sind, ja auch mal vernünftig nutzen und solche Audiokommentare etc. einbauen. Oder interaktive Terminals einflechten, die auf Wunsch nicht nur zur Handlung gehören, sondern eben auch Bonus-Content liefern. Hmmmmm.....
Sly Raccoon hatte (sehr schwer) freispielbare Audiokommentare zu jedem Level. God of War hatte cooles Hintergrundwerk, ebenso zwei der Ratchet&Clanks. Ist aber natürlich alles uralt und dementsprechend mal wieder an der Frage vorbeigeantwortet. Ach, die PS2 war halt einfach die beste Konsole.
Jetzt, wo du das erwähnst... ich habe nach dem Auftauchen der kleinen Making-Of-Hints bei Valve auch damit gerechnet, sowas häufiger zu sehen. Zumal die Sprechblasen wirklich hochinteressant sind und den einen oder anderen tiefen Einblick in die Designprozesse und Gedankenwelt der Entwickler ermöglichen. Die hohe Qualität der Valve-Informationen kommt meiner Meinung nach auch weitestgehend daher, eben kein 15-minütiges Video vorgesetzt zu bekommen, sondern mitten im Spielerlebnis die Möglichkeit zu haben, 1 oder 2 Minuten detaillierte Auskünfte über genau diesen kleinen Weltenausschnitt, in dem man sich gerade bewegt hat, zu bekommen. So nach dem Motto: kurze Dauer und eng umrissen, dafür sehr genau anstelle von "a mile wide, an inch deep".
Ich habe nicht den Eindruck, dass Making-Ofs bei Spielen heute so super selten sind. Sie gehören zwar noch lange nicht zur Standardausstattung, so wie es bei Film-DVDs der Fall ist, aber ich habe schon einige Spiele mit entsprechenden Bonus-Inhalten im Regal stehen. Das kann aber auch daran liegen, dass ich mir öfter mal eine SE oder CE anstelle der normalen Version gönne. Bei den Film-DVDs hat sich dieses Feature übrigens ja auch aus ganz anderen Gründen etabliert: Man wollte den Leuten einen Mehrwert gegenüber der VHS-Kassette bieten, welche ja anfangs auch noch zu günstigeren Preisen im Laden stand. Das ganze hat sich dann irgendwie verselbständigt und wurde zum Standard. Hinzu kommt natürlich, dass die meisten Film-DVDs größtenteils nur Material enthalten, das man ohnehin zu Promo-Zwecken produziert hat und dadurch kaum Zusatzaufwand/-kosten entstehen. Dies bringt uns wiederum zu den Spielen zurück, weil es seit ein paar Jahren auch in dieser Branche üblich geworden ist, Promo-Filmchen, Trailer, Entwicklertagebücher und sogar Making-Ofs zwecks Vermarktung zu produzieren. Folglich wäre es inzwischen bei den meisten AAA-Produktionen auch ohne großen Mehraufwand möglich, solche Bonus-Inhalte mit in die Schachtel zu packen. In der Praxis wird das zwar noch nicht in dem Maße gemacht, wie man es von den Filmen kennt, aber durchaus immer gängiger. Wie gesagt, zumindest wenn man zu den Leuten gehört, die öfter mal 5-10 Euro extra springen lassen, um sich eine Sonderausgabe eines Spiels zu kaufen, sind Making-Ofs seit ein paar Jahren nicht mehr wirklich exotisch. Wenn ich jetzt aber zu der schon angesprochenen Frage nach dem persönlichen Konsum solcher Bonus-Inhalte komme, sieht es bei mir persönlich eher mau aus: Ebenso wie bei Film-DVDs schaue ich mir den Kram nur in Ausnahmefällen an. Diese Ausnahmefälle sind entweder Spiele/Filme, die mich besonders stark begeistert haben, oder eben solche, bei denen das Bonus-Material über das übliche 08/15-Promo-Einerlei der Masse hinaus geht. Spontan fallen mir da Sachen wie der "Director's Commentary" bei The Chronicles of Riddick: Escape From Butcher Bay oder die schon angesprochenen Valve-Dinger ein. Aber auch extra beigelegte Soundtracks wie im Falle von BioShock oder Mirror's Edge höre ich mir gerne an. Und manchmal schaue ich mir sogar ganz profane Making-Ofs an, wenn ich das gleiche Material nicht vorher schon auf Gametrailers bestaunen konnte, es von ordentlicher Qualität ist und der Hauptinhalt entsprechend begeistern konnte. Um mal ein aktuelles Beispiel zu nennen: Das Making-Of von Resident Evil 5, welches der PC-SE beiliegt, war beispielsweise recht interessant. Aber grundsätzlich schaue ich mir als Medien-Viel-Konsumierer eher selten Zusatzmaterialien an, weil sich das Zeug in der Regel sehr stark ähnelt und eh nur aus zweitverwertetem Werbematerial besteht.
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Kommentare

Valve hat das seit dem "Lost Coast" Level in allen Spielen (Sprich, Ep. 1, 2, Portal, TF2 und L4D) eingebaut. Zwar immer nur in einigen markanten Abschnitten, aber durchaus mit interessanteren Einblicken in die Entscheidungsprozesse.
Thema: Das Prodblem dürfte sein, dass solche Kommentare bei Spielen Geld kosten.
Für ein Making-Of eines Filmes braucht man 1-2 Leute mit einer billigen DV-Kamera die in den Drehpausen ein paar Interviews führen, oder nutzt gleich vorhandene Crew und Equipment dafür. Dazu kommt noch, dass Making-Ofs oft nach dem Dreh produziert werden, (z.B. während die Postproduction läuft), man im Kern also schon ein fertiges Produkt hat über das man reden kann.
Ein Spieleentwickler haben da ganz andere Arbeitsweisen bei denen ein Making-Of nicht so eben aus dem Arm geschüttelt werden kann, wie bei einem Film.
Mal ganz davon abgesehen, ich kenne von mehreren Regalbrettern voller DVDs genau 2 Making-Ofs die mich interessiert haben… insofern, kein grosser Verlust.