| Polyvieux: Diablo |
| Geschrieben von: polyneux | |||
| Freitag, den 19. September 2008 um 17:52 Uhr | |||
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Würde man eine Umfrage starten, würden wohl die meisten Junkies Blizzards Diablo spontan als Klassiker bezeichnen. Was aber die meisten Leute gerne vergessen: Das Spiel war 1997 nicht ganz unumstritten und fand bei Presse und Spielern gleichermaßen eher geteiltes Echo. Ich persönlich, Gelegenheitsrollenspieler, der ich nun mal bin, fand Diablo damals richtig geil! Vor allem, weil das Spiel eine, für damalige Verhältnisse, großartige Präsentation vorzuweisen hatte, die zwar wenig Story zu erzählen hatte, aber trotzdem eine unglaublich dichte Atmosphäre erzeugte. So lange, wie es dauerte, fesselte mich das Spiel ungemein. Danach war es für mich dann aber auch erledigt. Gleiches gilt übrigens auch für Diablo II (2000), welches zwar Vieles noch besser machte als der Vorgänger und zudem deutlich umfangreicher war, mich aber auch nur zum zweimaligen Durchspielen verführen konnte: Einmal im Singleplayer und ein weiteres Mal zusammen mit einigen Freunden im LAN.
Die Faszination von Diablo und dem von ihm begründeten Spielegenre war mir von Beginn an suspekt. Es muss in den späten 90ern gewesen sein, als SpielerZwei mir "das nächste große Ding" im Bereich der PC-Spiele zeigen wollte. Vielversprechend, dachte ich, schließlich hatte er mit ähnlich dramatischen Worten schon Meilensteine des Spielegenres wie "Command & Conquer" oder - viel früher - Aztec Challenge vorgestellt. Doch was sich dann am riesigen 15-Zoll-Bildschirm in SpielerZweis Studentenherberge abspielte, war, vorsichtig formuliert, reichlich unspannend. Eigentlich hätte mir die Spielidee ja spontan zusagen müssen - ein Rollenspiel ohne die klassischen Rollenspielelemente, dafür mit mehr Action (ich meine mich auch erinnern zu können, dass SpielerZwei Diablo genau so anpries - "hey, das ist was für dich - ein Rollenspiel für Leute, die Rollenspiele hassen"), aber dieser sales pitch tröstete nur bedingt über das müde Gameplay hinweg. Klar, man musste nicht ständig Kämpfe auswürfeln, sondern konnte einfach wild rumklicken, aber das war es dann irgendwie auch schon. Was da beschönigend als genrebildendes "Hack and Slay"-Spielprinzip angepriesen wurde, sah mir eher nach "Klick dich tot" aus. Die isometrische Grafik war damals sicher ganz ok, hat aber nicht wirklich vom Hocker gerissen, und das planlose Monster-Totklicken in langweiligen Labyrinth-Höhlen, zusammen mit "Finde Item X" oder "Suche Zauberspruch Y" sah vom Levelaufbau ähnlich abwechslungsreich aus wie Pac-Man.
Viele wissen vielleicht nicht, dass Diablo auch auf der Playstation erschienen ist.
Möglicherweise hat Diablo den westlichen (Action-)RPGs den Weg auf den Konsolen geebnet. Bis dahin gab es ja fast nur Japano-Rollenspiele für Konsolen. Nach Diablo kamen dann recht viele Spiele dieser Art heraus. Das ändert aber trotzdem nichts daran, dass Hack’n’Slay irgendwie nicht als volles Rollenspiel durch geht...
Dort hatte ich meinen ersten Kontakt mit dem düsteren Rollenspiel und war von eben dieser Düsternis mehr fasziniert, als vom eigentlichen Spiel. Selbiges gilt auch für den zweiten Teil und die unumgängliche Erweiterung “Lord of Destruction”. Die Welt und die gesamte Atmosphäre ist wunderbar dreckig und finster.
Wie konntet ihr mir das nur antun?
Ich denke, dass manche Spiele universell Anklang finden,egal wann sie wie von wem gespielt werden. Aber diese sind rar gesät. Die überwältigende Mehrheit braucht eine gewisse Zeit, bestimmte Modi oder auch die richtige Einstellung. Ich befürchte, mit Diablo alles falsch gemacht zu haben. Meine drei Fehler: Ich hab Diablo nur einmal durchgespielt. Auf Mittel. Mit der Jägerin. Auf Deutsch, was damals oftmals für Erheiterung ob der exakten Übersetzungen führte.
Baumkopf Holzfaust, anyone? Keine Hardcore-Ironman-Hell-Erlebnisse, keine zusammengesammelten Sets (sofern es die im ersten Teil schon gab), keine Wertschätzung ob der Itemfülle. Ich schiebe das auf meine Pen-and-Paper-RPG-Sozialisierung, die im krassen Gegensatz zur geforderten Roguelikewertschätzung steht. Ich hab nie im Battle.net gespielt. Zu der Zeit war Internet für mich noch immer langsam und teuer, und da ich eh relativ unsozial bin, hat sich das nie ergeben. Dieses klatschende Geräusch, was da gerade aus euren Boxen kommt, entstammt den Millionen MP-Diablo-Fans, die gerade die Hände überm Kopf zusammenschlagen ob meiner konsequenten Nichtbeachtung des Main Selling Points. Ich hab Diablo 2 viel zu spät (an-)gespielt, nämlich erst vor ein paar Monaten. Die Grafik stört mich nicht weiter, aber da jetzt schon Diablo 3 angekündigt wurde, mache ich mir da nicht mehr die Mühe. Obwohl - eigentlich ist das ganze Untergenre nichts für mich. Ich steh’ halt mehr auf traditionellere Rollenspiele, mit Party, vielen Gesprächen, und idealerweise rundenbasiertem Kampf. Ich bin ein großer Gegner von Zufallsloot, ich hasse das Gefühl, die meiste Zeit im Kampf damit zu verbringen, meinen Health- und Manavorrat per Potions und Spells zu regulieren, nur unterbrochen von meinen zwei bis drei momentan effektivsten Angriffen. Am meisten störten mich allerdings in der Diablohochzeit die Massen von Fans, die sich über die effektivste Skilltreenutzung austauschten. Aber primär deswegen, weil ich Spiele immer noch gerne als Herausforderung ansehe und daher natürlich nicht nachvollziehen kann, wieso man den einzigen Punkt im Spiel, der nicht übers Rückenmark läuft, zwingend überspringen will. Aber sonst: Geile Spiele. Nur halt nicht für mich gemacht.
Kurz nach der Veröffentlichung von Diablo war ich bei einem Freund zu Besuch, der besagtes Spiel zufällig gerade auf seinem Rechner mit geradezu sagenhaften 166 MHz laufen hatte. Ich glaube, Diablo hatte mich schon nach dem Intro mit dem augenauspickenden Raben in der Tasche…
Als dann Diablo 2 erschien, ging die ganze Chose wieder von vorne los: Diesmal gleich am Erscheinungstag mit Augen, in denen der Wahnsinn unzähliger durchzockter Nächte aufblitzte, zu Media Markt geeilt (diesmal mit einem anderen Kumpel) und die erstaunlich schwere Packung voller Erwartungen („Boah, watten da allet drin?“) irgendwie nach Hause befördert. Leider macht Diablo 2 einige Dinge schlechter als sein Vorgänger: Bei Diablo 1 gab es noch ein richtiges Dungeon-Crawl-Feeling; nur ich, meine blutverschmierte Waffe und haufenweise fiese Dämonen im dunklen Kämmerchen. Zwischendurch gehe ich zurück ins Dorf, lasse meine Wunden versorgen, decke mich mit neuer Ausrüstung ein – und weiter geht’s im Text. Die Welt von Diablo 1 war einfach düsterer, rauer und ungezähmter. Jedenfalls spiele ich ungefähr einmal im Jahr Diablo 2 inklusive Add-On durch, was auch daran liegt, dass es erstaunlicherweise kein Konkurrenztitel geschafft hat, auch nur annähernd eine ähnliche Begeisterung in mir zu entfachen.
Den ersten Teil habe ich zwar auch gespielt, aber aus irgendwelchen Gründen hat der mich nie gepackt. Im Gegensatz dazu hat es kein anderes Spiel geschafft, mich so lange bei der Stange zu halten wie Diablo 2. Schätzungsweise habe ich in den vergangenen Jahren mit locker 40 verschiedenen Charakteren "Hölle" abgeschlossen. Anfangs hat einen die Geschichte bei der Stange gehalten, spätestens nach einmaligem Durchspielen auf "Normal" kann das aber nicht mehr gelten. Jetzt ging es darum, seinen Charakter immer weiter zu bringen. Durch die stetig steigende Herausforderung war durch Verskillungen oder schlechtes Equipment irgendwann immer Ende. Den ersten Paladin habe ich bestimmt 10 mal angefangen, bis ich durch war. Jetzt mussten natürlich auch die anderen Klassen ausprobiert werden. Und als man diese hatte, kam schon der nächste Patch von Blizzard, der das Spiel neu gebalanced und die verschiedenen Fähigkeiten abgeschwächt bzw. verstärkt hat. So konnte es passieren, dass Builds, die gestern noch die stärksten im Spiel waren, nach einem Patch nicht mehr spielbar sind (ich erinnere nur an die Nova-Sorc) oder andersherum reine Fun-Builds auf einmal zum Besten im Realm wurden (the infamous Hammerdin). So kam es bei mir mit der Zeit zu einer professionalisierten Herangehensweise an das Spiel, durch Chats mit Koreanern und rege Teilnahme an der Community beherrschte ich irgendwann die Diablo 2 zugrundeliegenden Mechanismen wie spielinterne Berechnungsformeln für z. B. Angriffsgeschwindigkeit, Blockchancen, Itemfind uns so weiter. Auch die Builds wurden immer spezialisierter und ausgefeilter. Gegen Ende meiner Karriere hatte ich zum Beispiel eine auf Blitzangriffe ausgebaute Zauberin für die Schlüsselsuche oder Andariel-Runs, eine Eis-Hexe für Mephisto-Runs, einen Smite-Paladin für die Begegnung mit Uber-Diablo oder die drei Übel in Tristram und so weiter. Alle - natürlich - nahezu perfekt ausgerüstet. Und auch hier hat Blizzard mit der Einführung der Ladder und Resets derselben wieder dafür gesorgt, dass man, wenn man wollte, immer wieder von vorne anfangen konnte.
Ich habe es bereits angesprochen, weiterer zentraler Grund fuer das andauernde Weiterspielen war natuerlich auch die Itemjagd. Das stupide Grinden. Durch die Patches wurden immer neue Items, Sets und Runenwörter ins Spiel gebracht, man hatte also nie die optimale Ausrüstung. Ich will nicht wissen, wie oft ich in den vergangenen Jahren "Du kommst zu spät, meine Brüder sind dir entkommen." gehört habe (diesen Satz sagt Mephisto, während man gegen ihn antritt). Mehrere tausendmal kommt aber denke ich mal hin. Darf man gar nicht dran denken, was ich da eine Zeit gelassen habe.
Ich glaube langsam der Christian mag gar keine Videospiele. Nee, mal ehrlich: Ich werde dieses Gejubele rund um Diablo nie verstehen. Was ist dabei, milliausend und abermiliausend Items sammeln zu "dürfen"? Was gibt Euch das? Ich verstehe es einfach nicht. Nein, nein und nochmals nein!
Gerade das ist es doch: Man verbindet die Lust am Spiel und die Lust, gequält zu werden... Gib’s mir, Diablo! Die Suche nach tollen Gegenständen war nicht mein Hauptmotivationsgrund, sondern viel mehr das Gefühl, eine "Etage" restlos von Dämonen gesäubert zu haben, nach dem Motto: "So, diese Ebene wäre dann auch erledigt bzw. sämtliche in ihr gewesenen Monster. Jetzt ist Tristram wieder ein Stück sicherer, und ich räum’ im nächsten Stockwerk auf". Ein Gefühl, das ich in Diablo 2 aufgrund des dämlichen Speicher-Systems nie wieder verspüren durfte...
Was ich mich gerade frage: Was hatten die Diablos, das all die ähnlichen Spiele, die folgten, nicht hatten? Warum wurden Mythos, Fate, Dungeon Siege, Titan Quest und wie sie alle heißen nicht solche Knaller, dass sie Jahre später noch von solch einer Masse gespielt werden? Es kann doch nicht nur an Blizzards vorbildlichem Support liegen, oder? Ist es das Balancing? Nostalgie, weil es für so viele das erste Spiel dieser Art war? Sagt mal! Hmm, vielleicht, weil man sich nach etlichen dort verbrachten Stunden so geborgen in der Welt von Diablo fühlt. Oooder weil man nicht in noch einem Spiel dieser Machart versacken will.. Ich denke es liegt an Blizzard und ihrem Gespür für den perfekten Spielfluss. Ich kenne jetzt nur Dungeon Siege und Titan Quest, aber die haben sich beide viel behäbiger und klobiger gespielt als Diablo.
Warum die Klone nicht an Diablo heranreichen, obwohl ich persönlich ja fand, dass Titan Quest nahe dran war, ist schwer in Worte zu fassen. Es ist wohl das "gewisse Etwas", das manche Spiele besitzen und andere nicht, weil ein gutes Spiel oft mehr als die Summe der einzelnen Teile ist. Eine eindeutige Benennung von Zutat X und Element Y bringt da keine befriedigende Erklärung...
Mich störte vor allem, dass mir fast keiner der spielbaren Charaktere wirklich zugesagt hat. In Diablo 2 spiele ich halt immer den Necromancer und gut ist. Der ist einfach perfekt für mich. Aber in Spielen wie Sacred & Co. waren die Helden sowas wie eierlegende Wollmilchsäue, die hier ein bisschen was beherrschten, gleichzeitig aber auch etwas völlig anderes, usw. Da fand ich die verfügbaren Helden in D2 einfach klassischer. Ich bin doch halt nun mal so furchtbar konservativ... Wenn ich heute mal spiele, steht wieder mehr das gemütliche Spiel im Vordergrund (ich schaue mir sogar ab und zu die Videos an). Als Reminiszenz sozusagen. Zu Hochzeiten habe ich einen Charakter in einer guten Party innerhalb von wenigen Stunden auf Level 60 geprügelt, das brauche ich heute nicht mehr. Wenn ich übrigens heute sage, dann meint das in letzter Zeit, das Spiel habe ich dieses Jahr nur einmal für ein paar Stunden zum Ladderreset angeworfen. Wobei... ein, zwei Builds oder Teams wuerden mich schon noch reizen...
Ihr Schweine! Jetzt bin ich wieder Diablo-süchtig!
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Dann ist da aber auch noch das Spielerische, und hier trennen sich Diablo und ich voneinander. Ich habe keinen der beiden Teile zu Ende gespielt, weil spätestens im Dritten Akt das immer gleiche Gegner anklicken und Lebenstränke schlürfen zu heftigen Gähnattacken meinerseits führte. Der Sammelaspekt alleine konnte mich nicht genug antreiben und ohne ihn bleibt vom Spiel nicht mehr viel übrig. Trotzdem habe ich in den letzten Jahren immer mal wieder mit dem zweiten Teil begonnen, neue Charakterklassen ausprobiert und einfach so ein paar Stunden totgeschlagen. Mit dieser Spielserie lässt sich ohne weiteres ein ganzes Wochenende totschlagen, ohne dass man dies wirklich gemerkt hätte.
Nicht zu vergessen die Erweiterung "Lord of Destruction", die dem Spiel zwei weitere Klassen und Extra-Inhalt beschert hat. Diese andauernde Weiterentwicklung durch den Hersteller und die ständige Umgestaltung der Spielmechanik machen Diablo2 in meinen Augen bis heute einzigartig. Und das für ein Spiel, in dem das Onlinespielen mit keinerlei Kosten für die Kunden verbunden ist. Ein direkter Mehrwert für die stetige Weiterentwicklung war gar nicht gegeben, im Gegensatz zu Titeln wie WoW, wo es durchaus Sinn macht, die Spieler durch Updates so lange wie möglich dabei zu halten, um monatlich Beiträge zu kassieren. Muss man sich mal vor Augen halten, manche Patches lieferten nicht nur das erwähnte Feintuning, sondern mit dem Worldevent und den drei Uber-Übeln waren das teilweise kleine Addons, die es umsonst dazu gab.
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