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Die Möglichkeiten der Beschäftigung für Spielerinnen und Spieler von Burnout Paradise sind für ein Rennspiel unerwartet vielfältig. Nur eine Aktivität wurde, das ist ebenfalls überraschend, gänzlich ausgespart: Zu keiner Zeit wird man im Spiel ein klassisches Rennen auf einem Rundkurs oder einer abgesperrten Rennstrecke mit vorgegebenem Verlauf absolvieren. Die Wettbewerbe finden alle inmitten des normalen Straßenverkehrs statt und erstrecken sich über das gesamte Straßennetz der Stadt Paradise City. Ganz so paradiesisch sind die Zustände im Innenstadtbereich jedoch nicht – man kennt das: Während der Rush-Hour scheint der Strom der Blech-Lawine, die durch das geschäftige Zentrum der Metropole rollt, nicht abreißen zu wollen. Zu dieser Zeit wirken die Ampeln auf den breiten Kreuzungen wie Domteure, die größte Mühe haben, mit ihrer Peitsche eine Gruppe Raubtiere in Schach und davon abzuhalten, über einander her zu fallen. Nun will es das Spiel so, dass gerade besagte Kreuzungen in der Regel der Ausgangspunkt für ein Rennen sind.
Mit dem Anhalten und Durchdrehenlassen der Räder signalisiert man an festgelegten Orten, daß man bereit ist, seine Konkurrenten die Auspuffgase seines Wagens inhalieren zu lassen. Auf magische Art und Weise tauchen daraufhin die anderen Teilnehmer des Rennens im Rückspiegel auf und rauschen erst einmal an einem vorbei, sobald die Ampel, an der man steht, auf grün geschaltet hat. Das Ziel markiert jedes Mal einer von acht festen Punkten, an der äußeren Grenze der Karte, in der Richtung gelegen, in die die Spitzen einer Kompaßrose zeigen. Auf welcher Route zwischen diesen Punkten man sich bewegt, bleibt einem vollständig selbst überlassen. Nur sollte man sich darüber vorher schon Gedanken gemacht haben, denn man befindet sich, wie gesagt, mitten im regulären Straßenverkehr. Schaut man während des Rennens auf die Mini-Karte oder die Richtungsanzeige am Rand des Bildschirms, kommt es all zu oft vor, dass man, zentriert man den Blick wieder auf die Mitte, ohne Möglichkeit noch eingreifen zu können, Zeuge dessen wird, wie das Heck seines Rennwagens sich nach dem Aufprall auf ein voraus fahrendes Fahrzeug wie eine Billardkugel, die mit viel zu viel Wucht eine andere Kugel trifft, in Zeitlupe langsam in die Luft erhebt, den vorderen Teil des Autos mit hoch reißt, erst nach einigen hundert Metern Flug wieder auf den Boden trifft und die Bewegung in (wie dieser Satz) nicht enden wollende seitliche Überschläge übergeht. Oder man fährt mit voll aufgerissenem Nitro-Boost, was im späteren Verlauf des Spiels obligatorisch ist, mitten gegen eine Beton-Wand, anstatt abzubiegen. Die einfachen Rennen machen jedoch nur einen geringen Teil des Spektrums der Aufgaben aus, denen man sich in Paradise City in beliebiger Reihenfolge, auch mehrmals, widmen, die man jedoch auch einfach auslassen kann. Takedowns, die Momente, in denen das Spielgeschehen pausiert wird und einem das Wrack eines gegnerischen Wagens gezeigt wird, wie es mit deformierter, wie ein Blatt Papier zerknüllter Karosserie aus einer Wolke vom Boden aufgewirbelten Staubes, Lack- und Glassplittern, die glitzernd zu Boden regnen, und abgerissenen Fahrzeugteilen auftaucht, nachdem man es zuvor in einen Brückenpfeiler gedrängt hat; aus diesen Augenblicken, die einem regelmäßig ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, wurden zwei eigene Renn-Modi gestrickt: Einmal gilt es, so viele Takedowns wie möglich in der vorgegebenen Zeit bei konkurrierenden Fahrern zu verursachen. Im anderen Modus versucht man, einen bestimmten Zielpunkt heil zu erreichen und nicht selbst in einem Knäul verbeulten Blechs im Straßengraben zu enden. 
Ein anderer Aspekt, mit dem man in Burnout Paradise viel Zeit verbringen kann, ist das Entdecken. In Vorbereitung auf die nächsten Rennen kann man einige der unzähligen verborgenen Abkürzungen auskundschaften. Das Auffinden der Ideallinie durch Tunnel, Einkaufspassagen oder Baustellen im schachbrettartigen Straßennetz der Innenstadt von Paradise City, in dem es, anders als in der seltener besuchten Peripherie, praktisch keine Kurven, sondern nur Abbiegegelegenheiten gibt, kommt dem Training, das in klassischen Rennspielen eine bedeutende Rolle einnimmt, noch am Nächsten. Ein angenehmer Nebeneffekt ist, daß für das Passieren aller 400 Einfahrten zu unoffiziellen Verkehrswegen ein Preis winkt. Ebenfalls für die Zerstörung sämtlicher Burnout-Werbetafeln, die mitunter gut versteckt und nicht leicht zu erreichen sind. Außer Abkürzungen, finden sich, auf das Stadtgebiet verteilt, zahlreiche kleine und Monster-Rampen, mithilfe derer man waghalsige, das heißt, keine Fahrfehler verzeihende und daher oft misslingende Stunts wie beispielsweise doppelte Faßrollen vollführen kann. Auch für Stunt-Rennen existieren spezielle Events in der Nähe prädestinierter Strecken mit vielen Rampen, in denen man innerhalb vorgegebener Zeit eine bestimmte Punktzahl erlangen soll. Versteckt inmitten der dichten Bebauung, die erstaunlich detailliert gestaltet und mit vielen Kleinigkeiten verziert wurde, die der Szenerie einen Ausdruck von Lebendigkeit verleihen, in den Bergen vor einer Schlucht, unterhalb eines Staudamms oder in einem abgelegenen Steinbruch tut sich manchmal die Gelegenheit auf, einen monstermäßigen Mega-Sprung hinzulegen, bei dem Knight Rider und Evil Knievel vor Neid erblassen würden – wiedergegeben in Zeitlupe und aus jeder denkbaren Perspektive, begleitet von den Geräuschen des Auslösers einer Fotokamera. Oder man rast, während das letzte Abendlicht die gesamte Landschaft in ein orange-rotes Glühen versetzt, mit so weit durch getretenem Gaspedal, dass in den engen Serpentinen der an der Leitplanke schleifende Außenspiegel Funken in der gleichen Farbe wirft, die schmalen Gebirgsstraßen hinauf. Oben angekommen, hält man einfach an, stellt den Motor ab und betrachtet die wunderschöne Landschaft im Sonnenuntergang, während Mozarts "Nachtmusik" zu spielen beginnt. Wenn "Black" ein Gun-Porno war, ist "Burnout Paradise" ein Car-Porno. Man begegnet hier eher selten grazilen Leichtgewichten, die auf einer Rennstrecke Runde um Runde mit der Präzision eines Uhrwerks Haarnadelkurven und heikle Schikanenen durchqueren, sondern obszön lauten, schweren und breiten Benzin-Monstern, die über den löchrigen Asphalt von Großstadt-Straßen donnern und die Erde zum Beben bringen, und wehe, es stellt sich ihnen etwas in den Weg…
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