| Spiel-Film |
| Geschrieben von: SpielerZwei | |||
| Freitag, den 07. Januar 2005 um 08:46 Uhr | |||
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Wie bewarb sich vor Jahren ein deutscher Sportsender selbst? - „Mittendrin, statt nur dabei!" Dieses Motto ist ja an und für sich auch immer noch der größte Unterschied zwischen Computerspiel und Kinofilm. Allerdings hat mir gerade HL2 kürzlich auch gezeigt, dass „mittendrin" alleine in Bezug auf eine Geschichte auch einen etwas schalen Nachgeschmack hinterlassen kann... Zum Glück gibt es wenigstens von Zeit zu Zeit auch Spiele, die beides perfekt hinbekommen - „mittendrin", also fesselndes interaktives Spielerlebnis, und „dabei", womit ich natürlich die große Erzählkunst eines gutes Kinofilms meine. The Chronicles Of Riddick - Escape From Butcher Bay ist so ein Spiel! Und das obwohl es doch zur unsäglichen Gattung der Filmversoftungen zählt, die, wie wir Junkies nur zu gut wissen, zu ca. 90 Prozent aus totalem Kernschrott besteht. Allerdings gibt es auch wohltuende Ausnahmen, wie z.B. meinen absoluten „Spiel zum Film"-Liebling The Thing. Ebenso wie das Spiel zu John Carpenters SF-Horror-Klassiker ist auch EFBB keine bloße Umsetzung des Films, sondern eine Erweiterung des entsprechenden Universums. Escape From Butcher Bay (Game) - Pitch Black (Film) - Dark Fury (Anime) - Chronicles Of Riddick (Film)...
Aber mit der Figur des Riddick hat Vin Diesel in meinen Augen die Rolle seines Lebens gefunden! Ich kaufe ihm diesen Charakter voll ab. Ich finde Riddick extrem cool. Und kein Held seit Duke Nukem hatte so perfekte One-Liner, welche zusätzlich noch durch die sonore Originalstimme von Mr. Diesel einiges an Gänsehautfaktor gewinnen! Bevor ich endlich ein paar Worte zum eigentlichen Spiel verliere, möchte ich noch etwas beim coolen Hauptcharakter des Spiels verweilen.
Was ist EFBB eigentlich für ein Spiel? - „Ego-Shooter" konnte man überall lesen. Aber das trifft es nicht mal annähernd! Das Spiel ist eine Melange aus vielen Genres. Es ist auf jeden Fall auch ein 1st-Person-Shooter, aber enthält zusätzlich eine große Portion Splinter Cell-Schleicherei, mehre Entscheidungsmöglichkeiten im Handlungsverlauf und freiwillige Sidequests, wie es Deus Ex seinerzeit zur Ehre gereichte, und eine immens große Portion Kinofilm. Als Hasser von Schleichspielen sowie konsequenter Thief- und Splinter Cell-Verweigerer möchte ich besonders hervorheben, dass mich die Schleicheinlagen zu keinem Zeitpunkt genervt haben! Alles passt und macht Sinn.
Apropos Entwickler: Bisher war mir klar, dass die Schweden klasse Autos bauen, aber dank der Starbreeze Studios muss ich meine „Software-Europa-Karte" im Kopf nun wohl gründlich überdenken... Die Grafik-Engine ist nicht gerade hardwarefreundlich, aber so man den richtigen Rechner sein Eigen nennt, bekommt man einen ähnlichen Hingucker wie DOOM 3 geboten. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man auf den ersten Blick sogar darauf wetten, dass man es hier mit der gleichen Engine zu tun hat. Es handelt sich aber tatsächlich um eine Eigenentwicklung der Schweden! Die Steuerung ist sehr gut gelöst worden und überfordert auch Gelegenheitsspieler nicht, da die vielen möglichen Aktionen unseres Helden mit wenigen Tasten ausgelöst werden, die je nach Situation angepasst werden. Maus und Tastatur sind Standard und machen keinerlei Probleme (wichtig zu erwähnen, denn das Spiel gab es ja zuerst auf der X-Box!).
Warum erzähle ich so gut wie gar nichts zur Story, wenn ich sie doch so toll finde? Weil ich bereits jetzt schon zu viele Andeutungen gemacht habe. Ebenso wie ein guter Film gewinnt auch EFBB dadurch, dass man die Story eben nicht schon vorher kennt! Wer, genau wie ich vorher, seine Zweifel hat, ob ein Gefängnis als Szenario wirklich die beste Wahl ist, um ein abwechslungsreiches Spiel zu beherbergen, kann diese getrost über Bord werfen. Es funktioniert! Also, wer auf allzu viele Spoiler hoffte, wird von mir gnadenlos enttäuscht. Spielt es einfach selber! Man kann EFBB übrigens auch ohne weiteres mehrfach durchspielen, denn aufgrund seiner Konsolenherkunft besitzt das Spiel einige lustige Extras, die man freischalten kann, indem man überall im Spiel versteckte Zigarettenschachteln findet. Außerdem habe ich auch mehrere der Sidequests beim ersten mal nicht erfüllt und war trotzdem von der hohen Spielzeit überrascht. Mit ca. 15 Spielstunden plus Wiederspielwert ist EFBB gut dabei. Ich werde mir den „Developer´s Cut" mit einer Art „DVD-Regisseur-Kommentar", den man nach dem ersten Durchspielen freischaltet, auf jeden Fall auch noch einmal bis zum Ende antun!
Zum anderen gibt es aber auch ein paar Punkte, die mich glauben lassen, dass ich Euch EFBB besonders ans Herz legen muss: Ich muss wohl keinem von Euch einen Vortrag über Film-Versoftungen halten. „Die Geschichte des Spiels zum Film ist eine Geschichte voller Missverständnisse!" - Und dieses Missverständnis ist im Wesentlichen dergestalt, dass eine teure Lizenz noch lange kein gutes Spiel macht.. Klar, keiner von uns Junkies fällt wirklich darauf herein. Das tun nur, wenn überhaupt, die dummen Gelegenheitsspieler! Aber leider finden die wenigen Perlen, wie z.B. das bereits erwähnte The Thing, dann auch viel zu wenig Beachtung, denn die Ausnahme von der Regel hat es meistens eher schwer. Ein ähnliches Schicksal droht The Chronicles Of Riddick - Escape From Butcher Bay, und das nicht nur, weil der Titel zu lang ist, um ihn sich den ganzen Weg bis zum Software-Dealer zu merken...
Ach, und ehe ich es vergesse: Den Abspann des Spiels unbedingt durchlaufen lassen! Da geht noch was... 1. Plan Your Small Business Marketing
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Ich mag Vin Diesel eigentlich nicht. Er macht in Interviews auf mich immer den Eindruck des netten Prolls von nebenan, mit dem man sicher ganz nette Abende in der Kneipe verbringen kann, aber er ist ein grauenhafter und untalentierter Schauspieler. Er hat es sogar geschafft, dass mir der ansonsten sehr coole „xXx" keinen richtigen Spaß gemacht hat, denn ich will einfach keinen Film sehen, in dem der Held ständig hohle Phrasen á la „Ey krass, Alter!" von sich gibt.
Wer von Euch hat beim Spielen von HL2 gedacht: „Mann, Gordon Freeman ist schon eine coole Sau!", und sich mit dem Typen mit dem langweiligen Allerweltsgesicht wirklich identifiziert? - Ah, das dachte ich mir! Gut, die Idee hinter dem Helden wider Willen, der wir alle sein könnten, in allen Ehren, aber durch die Tatsache, dass Gordon ohne jeden Dialog auskommt und auch sonst eine sehr blasse Nummer bleibt, ist eine Identifikation mit der Spielfigur nahezu ausgeschlossen. Es gibt natürlich Ausnahmen, wie Max Payne oder Duke Nukem, aber im Großen und Ganzen ist dies ein generelles Manko, mit welchem auch die meisten ansonsten großartigen Hit-Spiele zu kämpfen haben: Ich spiele einen Typen, der mir eigentlich total egal ist! Und bevor jetzt jemand einwenden mag, dass das doch das Besondere am Spielerlebnis an sich ist, dass die Figur meiner Fantasie den Spielraum zur Identifikation lässt, muss ich doch sagen, dass das Erzählen einer Geschichte im cinematographischen Sinne so nicht funktionieren kann. Der Charakter muss von vornherein gut gezeichnet sein, ansonsten werde ich mit ihm einfach nicht warm. Und Riddick ist so ein Charakter! Ich habe bei diesem Spiel seit langem mal wieder das Gefühl gehabt, einen wirklich scheisse-coolen Typen zu spielen bzw. zu sein. Ganz großes Kino eben.
Die seit 20 Jahren übliche Abfolge von „Intro - 1. Level - Zwischensequenz - 2. Level - Zwischensequenz - 3. Level - ... - Abspann" wird von EFBB völlig aufgebrochen. Das macht dieses Spiel weiß Gott nicht als erstes. Ein „Spiel-Film-Erlebnis", bei dem die Verschmelzung von erzählenden und interaktiven Elementen gelang, konnte man auch schon in anderen Spielen beobachten. Aber in dieser gebotenen Perfektion hat das bisher kaum ein Entwickler hinbekommen!
Der Sound ist ebenfalls eines Kinofilms würdig und beinhaltet nicht nur tolle Effekte (Herzschlag der Gegner im Stealth-Modus) und Umgebungssounds (so ein Gefängnisplanet kann auch wirklich deprimierend klingen...), sondern auch einen tollen Score, der sich dem Geschehen immer dynamisch anpasst. Über das Voiceacting muss ich wohl kein Wort mehr verlieren, denn es ist makellos.
Wem jetzt so langsam der Verdacht kommt, ich würde vom Publisher für meine Lobpreisungen bezahlt, dem muss ich wohl noch einige erklärende Worte mit auf den Weg geben.
Neben der Krux, ein Spiel zum Film zu sein, leidet EFBB auch ganz erheblich unter dem HL2-Hype, denn es erschien in etwa zur gleichen Zeit für den PC. Die X-Box-Jünger wussten das Spiel schon vor Monaten gebührend zu schätzen und feierten es teilweise frenetisch als DEN Grund, sich diese Konsole zuzulegen. Auf dem PC, obwohl grandios umgesetzt und noch einen ganzen Tick schöner als auf der Konsole, will das Riddick-Spiel aber einfach nicht die verdiente Beachtung erlangen. Aber zum Glück bin ich ja da! SpielerZwei, der Retter der unterschätzten Spiele! *Tusch!*
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